Maria Altmüller übergibt der Gemeinde Niederaula umfangreiche Ahnen-Sammlung

Ein wandelndes Buch

Seit einigen Tagen wohnt die Ahnenforscherin Maria Altmüller im Kreisaltenheim Niederaula. Am Dienstagvormittag faszinierte die hellwache alte Dame Hans Hartwig, Heimleiter Armin Tränker, Gerhard Opfer und Uwe Seel (von links) mit spannenden Geschichten aus der Vergangenheit und überraschendem Detailwissen. Foto: Löwenberger

Niederaula. „Ich hatte nie Probleme, auf fremde Menschen zuzugehen. Dabei habe ich immer sehr auf Anstand und Etikette geachtet“, berichtet Maria Altmüller. Das habe ihr viele interessante Kontakte gebracht und bei ihrer Ahnenforschung sehr geholfen. Ihre gesammelten Werke übergibt sie nun der Gemeinde Niederaula.

Für Geschichte interessierte sich die gebürtige Niederaulaerin schon als Kind. Zur Ahnenforschung kam sie eher zufällig durch ein amerikanisches Ehepaar, das in Kirchheim auf familiärer Spurensuche war. Das war 1980 und seit dem hat die heute 97-Jährige Geschichte und Ahnenforschung mehr und mehr zu ihrem Lebensinhalt gemacht.

Bis ins Jahr 1515 hat sie die Geschichte der eigenen Familie zurückverfolgt. Bei ihren Recherchen in Kirchenbüchern sowie standesamtlichen und anderen Registern weit über die Region hinaus verfolgte sie auch die Geschichten anderer Familien und kümmerte sich später viel um die Stammbäume von Amerika-Auswanderern. Ganze Stammesgeschichten sprudeln aus der alten Dame, wenn sie von ihren Besuchen in Amerika berichtet. Ein Familienname reicht, und ohne Punkt und Komma erzählt sie die kompletten Familienchroniken samt Querverweisen zu „wer wann mit wem“, Kind und Kindeskindern.

All das hat Maria Altmüller nicht nur im Kopf, sie hat auch alles akribisch niedergeschrieben. Diese schier endlose Datensammlung geht jetzt in den Besitz der Gemeinde Niederaula über. Dabei gibt es allerdings ein Problem. Altmüller war und ist eine sparsame Frau. So hat sie alles in der Reihenfolge, in der sie nachgeforscht hat, fein säuberlich untereinander geschrieben, Zettel für Zettel, Blatt für Blatt, Vorder- und Rückseite. Somit liegt der gesamte Datenschatz als mehr oder weniger unstrukturierte lose Blattsammlung vor.

Alphabetisches Register

„So ist das Material nicht zu gebrauchen“, sagt Gerhard Opfer. Er hat sich deshalb gemeinsam mit Hans Hartwig daran gemacht, System in den Informationswust zu bringen. Einigermaßen zeitlich sortiert, haben sie jedes Blatt mit einer Seitennummer versehen, durchgelesen und notiert, über wen auf der jeweiligen Seite informiert wird. So ist eine Art alphabetisches Register entstanden. Hier kann man seinen Namen suchen und wird dann auf die Seiten verwiesen, auf denen man etwas über sich oder seinen „Clan“ erfahren kann. Eine Sisyphusarbeit. „Sechs Ordner sind bereits fertig“, berichtet Opfer. „Sieben bis acht werden es wohl werden.“

Öffentlich ausgelegt werden die Ordner mit den Originalniederschriften nicht. Wer sich über seinen Stammbaum informieren möchte, der kann sich im Niederaulaer Standesamt bei Uwe Seel melden.

Von Bernd Löwenberger

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