Pächter bietet 120 000 Euro

Gemeinschaftszentrum Niederaula: Verkauf oder Sanierung?

Zukunft ungewiss: Der bisherige Pächter möchte das Gemeinschaftszentrum für 120 000 Euro kaufen. Darüber soll am Montag das Parlament entscheiden. Foto: Eisenberg

Niederaula. Nachdem der mögliche Verkauf des Gemeinschaftszentrums „Altes Forsthaus“ in Niederaula vertagt wurde, fand jetzt eine Info-Veranstaltung der SPD zum Thema statt. Die wichtigsten Informationen im Überblick:

Der Kaufpreis

Der langjährige Pächter Martin Diebel will 120 000 Euro für das Anwesen zahlen. Das Gebot gilt bis Jahresende.

Sanierungsbedarf

Laut Gemeindebauamt müssten in den kommenden fünf Jahren 347 000 Euro in die Sanierung gesteckt werden, in den darauffolgenden fünf Jahren noch einmal 235 000 Euro. Insgesamt also 582 000 Euro.

Die Gutachten

Die Firma M-Wert gibt den Ertragswert mit 550 000 Euro an, wobei der Sanierungsbedarf nicht voll berücksichtigt sei, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernhard Hirschbrich. Ein anderes Gutachten des Gaststättenverbandes rät dem Pächter vom Kauf ab und schlägt stattdessen eine hälftige Investitionsbeteiligung bei 15-jährigem Pachtverzicht vor.

Die Pacht

... liegt bisher bei 12 000 Euro pro Jahr, was den Unterhalt der Immobilie nicht decke. Das habe die Kommunalpolitik seinerzeit bewusst festgelegt, um eine gute Gastronomie anzusiedeln, erläuterte Bürgermeister Thomas Rohrbach. Im Wertgutachten ist von 70 000 Euro jährlich erzielbarer Pacht die Rede, realistisch seien aber maximal 36 000 Euro.

Mögliche Alternative

Neben dem Verkauf an Diebel oder die Sanierung durch die Gemeinde nannte Bernhard Hirschbrich eine öffentliche Ausschreibung zum Verkauf als dritte Möglichkeit. Ergebnis könnte zwar ein höherer Verkaufserlös, aber auch ein unbekannter Eigentümer sein. Die unausgesprochene Befürchtung für diesen Fall: Das Forsthaus könnte Flüchtlingsunterkunft werden.

Der Wirt

Martin Diebel ist seit 19 Jahren Pächter, hat in die Einrichtung investiert und möchte schon im Januar mit der Sanierung beginnen – allerdings nur, wenn geklärt ist, wie es weitergeht. „Ich hätte nie gedacht, dass es so ein Theater gibt“, sagte Diebel enttäuscht, signalisierte aber grundsätzlich auch als Pächter der Gemeinde weitermachen zu wollen.

Die Meinung der Zuhörer

... reichte vom Verkauf für einen symbolischen Euro bis zum Verbleib des Gebäudes bei der Gemeinde. Insgesamt schien man in Diebel aber – auf welcher Basis auch immer – den richtigen Betreiber zu sehen.

Der Bürgermeister

... warb erneut für den Verkauf. Andernfalls müsse die Gemeindevertretung Geld für die Sanierung bereitstellen. „Spätestens wenn das Gerüst steht, wirft man uns vor: Die Gemeinde baut dem Diebel einen Palast“, meinte Rohrbach.

Die Kommunalpolitiker

Wolfgang Köhler (Grüne), der die Vertagung beantragt hatte, sprach sich grundsätzlich für den Verkauf aus. Ihm sei es lediglich um mehr Zeit gegangen. Auch die CDU hat offenbar nichts gegen den Verkauf. Der neue Ortsverbandsvorsitzende Mirko Siewert kritisierte allerdings, dass der Eindruck entstanden sei, der Verkauf solle schnell durchgedrückt werden. Uneins ist offenbar die SPD. Die Parlamentsvorsitzende Petra Wiesenberg sprach von einer Zwickmühle. Die Gemeinde dürfe Vermögen nur zum entsprechenden Gegenwert abgeben.

Wie geht es weiter?

In einer nicht-öffentlichen Gemeindevertretersitzung am kommenden Montag, 21. Dezember, steht das Thema erneut auf der Tagesordnung. Dann soll das Parlament über den Verkauf abstimmen.

Kommentare