Barbara Wagner hat die Erinnerungen älterer Breitenbacher gesammelt und in einem Buch veröffentlicht

Vergangenheit wird lebendig

Hat die Erinnerungen der alteingesessenen Einwohner festgehalten und als Buch veröffentlicht: Barbara Wagner aus Breitenbach. Foto: Eisenberg

Breitenbach/h. Ihre Kindheit und Jugend hat Barbara Wagner in Gießen verbracht. Dass sie – ursprünglich ein Stadtmensch – ein Buch über das Breitenbacher Landleben in der Zeit zwischen 1900 und dem Zweiten Weltkrieg geschrieben hat, erklärt sie so: Sie habe sich ihre Neugierde bewahrt und mehr über diese Zeit wissen wollen. „Ich selbst habe es ja nicht erlebt, aber ich habe nachgefragt“, betont die 66-Jährige.

In ihrem Buch „Mittendrin nachgefragt“ hat die pensionierte Grundschullehrerin 24 Geschichten aus dem Alltagsleben aufgeschrieben, die ihr alteingesessene Ortsbewohner erzählt hatten.

Im Jahr 1983 war die Autorin gemeinsam mit ihrem Mann, der in Breitenbach eine Tierarztpraxis eröffnete, in die Herzberggemeinde gezogen. Ihren Beruf als Lehrerin gab die Mutter zweier Kinder auf und arbeitete in Vollzeit als Tierarzthelferin in der Praxis ihres Mannes mit. In ihrer Freizeit engagierte sie sich in der Kirchengemeinde und gestaltete dort den gerade ins Leben gerufenen Gemeindebrief mit. Als die Konfirmation ihrer Tochter näherrückte, begab sich Barbara Wagner auf die Suche nach alten Konfirmationsbräuchen. Drei ältere Breitenbacherinnen erzählten aus der eigenen Konfirmandenzeit.

Weitere Gespräche mit alteingesessenen Breitenbachern folgten. Barbara Wagner hielt die Erinnerungen fest und veröffentlichte sie von 1993 bis 2000 unter der Überschrift „Damals“ regelmäßig im Gemeindebrief. „Die Menschen haben mich förmlich in ihre Erinnerungen hineingezogen“, berichtet die Autorin. Einen Zugang habe sie meist schnell gefunden. „Die haben sich gefreut, dass sie erzählen konnten. Die Alten leben oft in der Vergangenheit, weil die Zukunft keinen Wert mehr für sie hat“, sagt Wagner.

Leidenschaft fürs Schreiben

Beeindruckt habe sie dabei die Vielfalt der Erinnerungen. In den Erzählungen seien Geräusche, Gefühle und Erinnerungen lebendig geworden.

Auch als Barbara Wagner im Jahr 2000 in den Schuldienst zurückkehrte, ließ sie die Leidenschaft fürs Schreiben nicht los. Die Damals-Rubrik hatte sie zwar abgegeben, die gesammelten Geschichten habe sie aber in Buchform konservieren wollen. Nachdem ein Verlag gefunden war, sei sie ein halbes Jahr unterwegs gewesen, um von allen Beteiligten oder deren Nachkommen die Genehmigung zur Veröffentlichung einzuholen. „Viele leben ja nicht mehr und die Erben sind weit verstreut“, berichtet die Autorin.

Die Vorlage für das Titelbild, das den Sonnenuntergang über Breitenbach zeigt, hat Barbara Wagner selbst auf Seide gemalt. Von der Konfirmation, über die Heuernte, den Waschtag, die Hausschlachtung oder die Dorfkirmes schildert Wagner in „mittendrin nachgefragt“ den Arbeits- und Lebensalltag auf dem Land in der Vorkriegszeit und schlägt dabei immer wieder Brücken zur Gegenwart. Dabei ist der Autorin eine liebevolle Schilderung der Vergangenheit gelungen, ohne sie zu verklären.

Barbara Wagner: „mittendrin nachgefragt. 24 Menschengeschichten aus Breitenbach“ erscheint im Engelsdorfer Verlag Leipzig und ist ab Anfang August zum Preis von 11 Euro im Buchhandel erhältlich. ISBN: 3-95488-428-5.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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