Der Niederaulaer Pfarrer Werner Ewald spielt seit fünf Jahren Alphorn

Tiefgreifende Klänge

Alphornklänge in der Niederaulaer Kirche: (von links): Rolf Bräuning, Pfarrer Werner Ewald und Franz Bräuning. Foto: Eisenberg

Niederaula. Lederhose und Trachtenhut seien bei seinem Hobby keine Pflicht, scherzt der Niederaulaer Pfarrer Werner Ewald. Für ein wenig alpenländische Stimmung in der Niederaulaer Kirche sorgen schon die tiefgreifenden, weittragenden und durchdringenden Klänge. Werner Ewald spielt Alphorn. An diesem Nachmittag nicht alleine, sondern gemeinsam mit dem 80-jährigen Rolf Bräuning und seinem zehnjährigen Enkel Franz aus dem thüringischen Bernshausen.

„Es hat mich einfach gereizt, es mal auszuprobieren“, beschreibt der Pfarrer, wie er zu seinem Hobby kam. Vor gut fünf Jahren blies Ewald in einem Museum in der Schweiz die ersten Töne auf einem Alphorn. „Das hat mich gleich ergriffen“, erzählt er heute.

Bei einem Alphornbauer im Spessart erstand der Pfarrer selbst ein solches Instrument, steckte bald auch auch Rolf Bräuning, der damals im Niederaulaer Posaunenchor musizierte, mit seiner Begeisterung an. „Uns kam zugute, dass wir beide schon ein Blechblasinstrument gespielt haben“, erzählt Werner Ewald. Obwohl das Instrument aus Nadelholz gefertigt ist, wird es mit der gleichen Spieltechnik wie Trompeten oder Posaunen zum Klingen gebracht.

„Durch die Größe braucht man mehr Luft und Druck, man spürt dadurch nach dem Spielen eine richtige Entspannung“, erzählt der Pfarrer. Der Reiz liege im Zusammenspiel, berichtet Werner Ewald, der mit seinem Alphorn auch schon gemeinsam mit dem dem örtlichen Posaunenchor oder der Orgel musiziert hat. Als sogenanntes Naturtoninstrument, dessen Umfang nicht alle Halbtöne umfasst, können mit dem Alphorn viele der gängigen Melodien nicht gespielt werden. Es gebe aber zahlreiche Noten speziell für Alphörner. Traditionelle Stücke mit Namen wie „S´ Wegkrüz“ oder „Auf der Schafweid“ beispielsweise, aber auch Choräle. „Manche Leute spielen auch Jazz“, berichtet Werner Ewald. Gestimmt sind die 3,69 Meter langen Instrumente auf den Ton F. Mit einem 20 Zentimeter kürzeren Zwischenstück, dem sogenannten Fis-Rohr, klingt das Alphorn einen Halbton höher, so wie es in weiten Teilen der Schweiz üblich ist. Die Herstellung der Instrumente ist immer noch Handarbeit, ab einem Preis von 1600 Euro werden sie verkauft. Der 80-jährige Rolf Bräuning hat sein Alphorn selbst hergestellt. Dabei ging der Steinmetzmeister als Autodidakt zu Werke. Dem Alphorn Töne zu entlocken, hat Bäuning auch seinem Enkel Franz beigebracht, der auch Bariton, Posaune und Waldhorn spielt. Wegen der Entfernung musizieren die drei nur etwa viermal im Jahr zusammen. Das Trio hat dennoch schon bei Konzerten mitgewirkt. Außerdem bindet Werner Ewald das Instrument aber auch in die Gemeindearbeit ein. Die tiefgreifenden, weittragenden Töne erklangen unter anderem bei Gemeindefesten, goldenen und diamantenen Hochzeiten.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare