Ahnenforschung: Marie Altmüller aus Hilperhausen ist im 97. Lebensjahr noch aktiv

Auf Spurensuche

Marie Altmüller mit einem Buch der Familiengeschichte Eydt, die sie maßgeblich mit aufgearbeitet hat. Foto: Miehe

Hilperhausen. Die lückenhafte Kenntnis ihrer Familiengeschichte wurde Marie Altmüller aus Hilperhausen bewusst, als 1980 aus Amerika Nachfahren eines Vorfahren mütterlicherseits auf den Spuren ihrer Ahnen wandelten. Und so beschloss sie, den Missstand zu beheben und machte sich selbst auf Spurensuche.

Bald hatte sie in den Kirchenbüchern den Stammbaum ihrer Familie mütterlicherseits autodidaktisch über Generationen recherchiert und auch den 1872 ausgewanderten Onkel ihrer Mutter in die Familiengeschichte eingebettet. Aber damit nicht genug. Jetzt war Marie Altmüllers Interesse an der Ahnenforschung geweckt, ja es sollte zu ihrem liebsten Hobby werden. So recherchierte sie auch nach den Ahnen väterlicherseits und befasste sich schließlich auch mit den Vorfahren ihres Mannes.

Geschichte hat sie zeitlebens interessiert und war schon ihr Lieblingsfach in der Schule. 1917 in Niederaula als Tochter eines Landwirts geboren, durfte sie aber, wie von ihr gewünscht, keine höhere Schule besuchen – für Bauernmädchen schickte sich dies damals noch nicht. Und so arbeitete sie in der Jugend auf dem elterlichen Bauernhof mit und heiratete 1940 einen Bauern aus Hilperhausen. Die Fürsorge für vier Kinder und die umfangreiche Arbeit auf dem Bauernhof erforderten nun ihre ganze Kraft.

Erst nachdem ihr Sohn mit ihrer Schwiegertochter den Hof übernommen hatte und sie mit ihrem Mann auf das Altenteil gezogen war, hatte sie den Kopf wieder frei für andere Dinge. Und so sollte die Ahnenforschung schließlich zu einer erfüllenden Tätigkeit, ja zur neuen Aufgabe werden. Als sie ihre weitverzweigte Familiengeschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt hatte, recherchierte sie auch für andere. Der damalige Niederaulaer Pfarrer Karl-Werner Brauer gab ihr schließlich bündelweise Anfragen zur Bearbeitung, die an die Kirchengemeinde gerichtet waren, vor allem Gesuche aus Amerika.

Im Auto unterwegs

Demzufolge recherchierte sie bald nicht nur im Niederaulaer Geburten-, Sterbe- und Eheschließungsregister, sondern auch in den Kirchenbüchern anderer Gemeinden. Da sie 1955 den Führerschein gemacht hatte und auch noch im Alter Auto fuhr, konnte sie die Verwandtschaftslinien in einem weiten Umkreis verfolgen, unter anderem bis Malsfeld, Ziegenhain und Tann/Rhön.

Besonders die Bittsteller aus Amerika freuten sich sehr über ihre Nachforschungen, nahmen diese dankbar an und unterhielten mit ihr einen regen Kontakt, luden sie sogar nach Amerika ein. So schloss sie sich 1983 und 1986 Studienfahrten vom Verein „Volkstum im Ausland“ an und besuchte dabei auch entfernte Verwandte und neue Bekannte in den USA und in Kanada. 1997 machte sie noch eine weitere Reise in die „neue Welt“, dieses Mal nur mit einem Bekannten als Reisebegleiter.

Von den Erlebnissen auf dem anderen Kontinent zehrt sie noch heute.

Von Brundhilde Miehe

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