Anneliese und Walter Firneis feiern heute Diamantene Hochzeit im Generationenhaus

Spinnstube war Treffpunkt

Vor dem Traufoto: Ihre Diamantene Hochzeit feiern heute Anneliese und Walter Firneis. Foto: Decker

WAHLSHAUSEN. Mit nichts außer den Kleidern am Leib kam Walter Firneis im Oktober 1945 nach Wahlshausen. In der Nähe von Breslau geboren, hatte der junge Mann drei Jahre Krieg hinter sich und war nun zufällig mit vielen anderen Flüchtlingen in dem kleinen Dorf einquartiert worden. Seine spätere Frau Anneliese war damals noch ein Schulmädchen und interessierte sich nicht besonders für die Neuankömmlinge.

Das änderte sich ein paar Jahre später. „Im Winter hatten die Mädchen ja nicht so viel zu tun und trafen sich zur Spinnstube“, berichtet Walter Firneis mit verschmitztem Lächeln, „da sind wir jungen Männer natürlich immer wieder gerne vorbeigegangen“.

Bald verabredeten sie sich auch für die Kirmes und Tanzveranstaltungen. Als Anneliese und Walter am 18. September 1954 vor den Traualtar traten, sagten viele Dorfbewohner, dass die beiden gut zueinander passen. In den Jahren zuvor hatte Walter Firneis seine Schreinerlehre beendet und in den Monaten vor der Hochzeit baute er die für den neuen Hausstand notwendigen Möbel.

In ihrer Küche steht heute noch ein wunderschöner Schrank und beide schlafen noch in dem damals geschreinerten Ehebett.

Hilfe beim Melken

Anneliese Firneis kümmerte sich sowohl vor als auch nach der Hochzeit um den elterlichen Haushalt und die kleine Landwirtschaft. „Walter half mir immer, er hatte das Melken ja schon bei dem Bauern gelernt, bei dem er für Kost und Logis gearbeitet hatte, als er ohne Geld zu uns ins Dorf gekommen war“, erzählt die 80-Jährige. 1956 kamen noch Mutterpflichten für die erste Tochter hinzu und fünf Jahre später für die zweite. „Beide Mädchen lagen als Babys in einem hübsch ausgestatteten Waschkorb, für den mein Mann ein Untergestell mit Rädern und eine Aufhängung für den Himmel gebaut hatte“, erinnert sich Anneliese Firneis. Das Schreinern bereitet dem 89-jährigen große Freude.

Er hat sich eine kleine Werkstatt eingerichtet, in der er kleine, feine Holzarbeiten herstellt. „Man muss sich auch einmal aus dem Weg gehen können“, meint seine Frau. Die Familien ihrer Töchter wohnen in der Nähe und „manchmal rufen die fünf Enkelkinder an und laden sich alle zusammen bei uns zum Abendessen ein, das ist schön“, so die Großmutter. Das Geheimnis ihrer langen Liebe? „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und desto älter wir werden, desto mehr brauchen wir uns.“ Gemeinsame Hobbys sind das Rätseln und der große Garten.

Seinen Festtag wird das Diamantene Hochzeitspaar am heutigen Donnerstag mit Freunden und Nachbarn im Generationenhaus feiern. Während Anneliese Firneis erzählt, dass sie sich vom Chor Wahlshausen das Lied ‘Ich hab dir geschaut in die Augen´ gewünscht hat, lacht ihr Mann und meint: „Das macht sie jetzt auch immer noch.“ Am Samstag geht die Familie nach einer Andacht in der Kirche gemeinsam essen.

Von Christiane Decker

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