Die Westmauer der Burg Herzberg bei Breitenbach wird derzeit aufwändig saniert

Mit Spatzen gegen Verfall

Handarbeit: Architekt Jochen Weppler schaut den Bauarbeitern bei der Erneuerung der Mauerkrone der Burg Herzberg über die Schulter. Die Männer stehen auf einem 20 Meter hohen Gerüst auf der Außenseite der Burg Herzberg. Fotos: Eisenberg

Breitenbach/H. Auf der Burg Herzberg sitzen die Spatzen nicht auf den Mauern, sie kleben zwischen den Steinen. „Kalkspatzenmörtel“ lautet der Fachbegriff für das Kalk-Sand-Gemisch, das als Deckschicht in die Zwischenräume der Steinquader eingebracht wird.

„Der Name kommt von den Kalkklümpchen, die Spatzen genannt werden“, erklärt der Alsfelder Architekt Jochen Weppler, der die Sanierung betreut. Mit den Arbeiten an der Westmauer sollen auch Schäden behoben werden, die unter anderem durch Sanierungsfehler in den 1970er und 1980er Jahren begangen wurden. Damals habe man zementhaltigen Mörtel verwendet im Glauben, die Mauern damit besonders widerstandsfähig zu machen. Aus heutiger Sicht ein Irrglaube: Der Mörtel sei zu hart und platze ab. Oder er werde hinterspült, was die historischen Mauern instabil mache. Der Kalkmörtel, der teilweise sogar unter Druck in die Hohlräume gepresst wird, komme den Baustoffen der Entstehungszeit näher und soll deshalb widerstandsfähiger sein.

Für die Sanierungsarbeiten musste an der Westmauer ein 20 Meter hohes Gerüst aufgestellt werden. Der untere Teil des Bauwerks, der aus Basalt besteht, wurde allerdings nur gereinigt. Weiter oben haben die Bauarbeiter den Mörtel zwischen den Sandsteinen erneuert. Abgenommen und komplett neu aufgebaut wurde aber nur der oberste Teil der Mauerkrone. Dabei verarbeiten die Sanierungsfachleute auch Originalsteine, die an anderer Stelle des Burggeländes gelagert waren. „Jeder Arbeitsschritt ist mit den Denkmalbehörden abgesprochen, betont Burghauptmann Jürgen von Dörnberg.

Alle Baumaterialien müssen auf den letzten Metern aufwändig mit dem Radlader an den Fuß des Gerüsts gebracht werden. „Transport und Gerüst machen deshalb einen großen Teil der Kosten aus“, erklärt Architekt Jochen Weppler.

Gearbeitet wird derzeit auch wieder im benachbarten Rittersaal, dessen Mauern bereits in einem vorherigen Bauabschnitt erneuert worden waren. Mit einem speziellen chemischen Verfahren ist das Sandsteinportal gehärtet worden. In den kommenden Tagen wird ebenfalls neu ausgefugt und eine Ableitung für von oben eindringendes Wasser geschaffen. Auch die Inschrift, die auf die Entstehungszeit hinweist, wird überarbeitet. Ein Restaurator hatte in den 1980er Jahren offenbar mangels ausreichender Lateinkenntnisse mehrere Buchstaben falsch nachgemalt.

Für die Eigentümer sei die Sanierung ein finanzieller Kraftakt, betont Jürgen von Dörnberg. Die Ende des 13. Jahrhunderts erbaute Burg befindet sich seit 1477 ununterbrochen im Familienbesitz. 10 000 Euro muss die Dörnberg´sche Stiftung selbst aufbringen, 50 000 Euro kommen vom Land, mit 40 000 Euro beteiligt sich der Bund am Erhalt des Kulturdenkmals.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare