Verblüffender Stephan von Köller verzaubert sein Publikum in Breitenbach/H.

Sehen? Ja! Verstehen? Nein!

Breitenbach/H. Rund 150 überwiegend erwachsene Männer und Frauen sitzen am Samstagabend staunend im Breitenbacher Theatertreff und können kaum glauben, was ihre Augen da an Gehirn und Verstand übermitteln.

Da tauchen Gläser, vollgefüllt mit Orangensaft, ebenso unerwartet aus dem Nichts auf wie original verschlossene Weinflaschen. Ein nebenbei gefaltetes Papierblümchen wandelt sich – haste nicht gesehen – in eine rote Rose, Papierkügelchen trotzen der Schwerkraft und tanzen lustig durch die Luft, und Spielkarten wechseln den Besitzer von einer Seite der Bühne auf die andere, ohne dass auch nur eine Hand sie berührt.

Durchbohrte „Jungfrau“

Lässig, lächelnd, gut gelaunt steht Stephan von Köller auf der Hermannsbühne, erzählt seine Geschichten und Anekdoten und ganz nebenbei passieren Dinge, die so nach allen Gesetzen der Logik und der Naturwissenschaften nicht passieren können. Natürlich entsteigt auch die „Jungfrau“, nachdem sie auf engsten Raum zusammen gefaltet von drei schweren Säbeln durchbohrt wurde, frisch und lebendig lächelnd ihrem Kerker.

Ungeheuer präsent

Jeder, der hier sitzt, seinen Augen nicht traut und sich unweigerlich immer wieder die Frage stellt: „Wie geht das?“, weiß, dass da ein Zauberer auf der Bühne steht, in diesem Fall der Deutsche Meister der Zauberkunst: Sparte Großillusion. Jeder weiß, dass diese Leute mit Tricks und Taschenspielereien uns nur etwas vorgaukeln. So besonders wird das Erlebnis, weil es vor den eigenen Augen – nicht im Fernsehen oder auf einer anonymen Bühne in Berlin, London oder New-York – hier in dem kleinen knuddeligen Breitenbacher Theater fast wie im eigenen Wohnzimmer passiert, und weil von Köller ungeheuer präsent ist, ständig den engen Kontakt mit dem Publikum hält, schlagfertig eingeworfene Kommentare pariert, und sich auf unnachahmlich charmanten Art auch seine Assistentinnen und Assistenten aus dem Kreis der Besucher rekrutiert.

Jeder, der schon mal einen Zauberer gesehen hat, kennt meist auch den Trick mit den großen, verchromten Ringen, die auf unerklärliche Weise miteinander verschlungen und wieder getrennt werden, und jeder glaubt zu wissen, dass diese Ringe irgendwo zu öffnen sind. Was von Köller allerdings mit Ringen anstellt, ist absolut unerklärlich.

Chancenlos

Nur einmal wird der Künstler ganz ernst: Wenn er auf eindrucksvolle Weise mit nur einem Hütchen und nur einem Ball demonstriert, dass man gegen die – besonders im Urlaub allgegenwärtigen – Hütchenspieler absolut chancenlos ist. „Hier verlieren sie immer“ warnt von Köller nachdrücklich vor der Teilnahme.

Wenn er sich dann aber mit der Zugabe des Seiltricks endgültig von seinen Gästen verabschiedet, wissen die nicht, ob sie jetzt mehr Lachen oder mehr Staunen müssen.

Von Bernd Löwenberger

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