Ein neues Buch über die Reichsabtei Hersfeld und das Knülldorf Wallenstein

Schmiede der Burgherren

Wallenstein. Die Burg ragt hoch über dem kleinen Knülldorf Wallenstein auf: Wo heute die Reste der einst herrschaftlichen Festung zur Phantasiereise ins Mittelalter einladen, war Anfang des 13. Jahrhunderts viel los. Der Hersfelder Abt ließ die Burg bauen, die eine Familie Wallenstein bewohnte.

Diese Geschichte Wallensteins und der Reichsabtei Hersfeld hielt nun Dr. Ingo Grebe in einem Buch fest, dass er zu seinem 75. Geburtstag vor wenigen Tagen veröffentlicht hat.

Die Adelsfamilie Wallenstein wurde damals das erste Mal in der wissenschaftlichen Ahnensforschung erwähnt. Einer ihrer Herren, Conrad von Wallenstein, vertrat einst den hessischen Regenten, den an Syphilis erkrankten Landgrafen Wilhelm II. Ein ganzes Kapitel des Buches widmet sich der Adelsfamilie. Doch Grebe hat nicht nur deren Geschichte dort festgehalten. „Ich will mit dem Buch unterhalten und auch aus dem Dorf erzählen“, sagt er.

Ein Spaziergang durch Wallenstein und seine Häuser gehört zum Bildband, die Wallensteiner Sagen auch. Der Autor wuchs selbst als Nachfolger in der Hüttenmühle im Ort auf. Auch dort spielt ein Teil des 250 Seiten starken Bandes.

Die Eisenhütte wurde 1485 als eine der ersten mit Wasserkraft betrieben und belieferte die Burgherren. Mit der Wasserkraft sei damals das erste Mal eine Art „industrielle Eisenerzeugung“ möglich gewesen, sagt Grebe. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Burg und die Hüttenmühle zerstört. Die Familie Wallenstein starb aus.

Tankholz im Krieg

Im Gegensatz zur Burg ist die Mühle noch heute belebt. Nach der Zerstörung der Eisenhütte wurde dort eine Mahl- und Sägemühle betrieben. Im zweiten Weltkrieg wurde Tankholz hergestellt, danach Pressholz. 1956 vernichtete ein Jahrhunderthochwasser in Wallenstein das Sägewerk, alle Holzbestände und Maschinen wurden zerstört. Das bedeutete das Aus für den Betrieb, in den sechziger Jahren wurde er eingestellt. Jetzt hat dort die skandinavische Kette Helo-Saunabau einen Standort.

Das Buch „Die Herrschaft Wallensteins in der Reichsabtei Hersfeld“ von Ingo Grebe wurde in der Hüttenmühle vorgestellt. Es ist im Eigenverlag erschienen und kostet 20 Euro. Es ist erhältlich in der Geschäftsstelle der Hersfelder Zeitung, Benno-Schilde-Platz 2 in Bad Hersfeld.

Von Christine Thiery

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