Kirchheimer Bürgermeister: Mangelnde Zahlungsmoral erschwert Feuerwehrarbeit

Sauer auf Versicherungen

In Erinnerung geblieben: Fünf Menschen verloren bei dem schweren Busunglück auf der A 4 im Dezember ihr Leben. In diesem prominenten Fall kamen die Versicherungen für die Einsatzkosten auf. Bei anderen Unfällen zweifelten die Versicherer die Rechnungen der Gemeinde an. Archivfoto: Eisenberg

Kirchheim. In das große Lob, das die beteiligten Feuerwehrleute für ihren professionellen Einsatz beim schweren Busunglück auf der A 4 im Dezember bekommen hatten, stimmte zur gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Kirchheimer Wehren auch Bürgermeister Manfred Koch ein.

Um so schlimmer ist es nach Ansicht des Rathauschefs, dass die Zahlungsmoral der Versicherungen auch bei den Kosten anderer Einsätze mangelhaft sei. Ihrem Ärger über das Gebaren der Versicherer hatten die Kirchheimer Brandschützer bereits Anfang des vergangenen Jahres öffentlich Luft gemacht (unsere Zeitung berichtete). „Als HR, RTL, Bild und noch andere darüber berichteten, haben die Versicherungen bezahlt“, hatte schon Gemeindebrandinspektor Thomas Schneemilch informiert. „Jetzt, wo der Medienrummel rum ist, fordern sie zum Teil ihr Geld zurück.“

Bürgermeister Koch berichtete von einem Einsatz im August 2013 auf der A 7. Eine große Versicherung, die sich sonst gerne als „Partner der Feuerwehr“ präsentiert, behaupte, dass bei dem Einsatz 3000 Euro zu viel berechnet worden seien. Die Versicherung beruft sich dabei auf die Auswertungen der Unterlagen durch einen Havarie-Kommissar aus Dresden, der selbst nie vor Ort war. Sichtlich echauffiert und mit böser Ironie gespickt verlas Koch Auszüge dieses Berichtes, der den Kirchheimern nicht nur absichtlich überhöhte Abrechnung, sondern auch noch mangelnde Kooperation unterstellt. „Das ist an Frechheit nicht mehr zu überbieten“ und „hier wird der ehrenamtliche Einsatz mit Füßen getreten“, zog Koch Bilanz.

Status unbefriedigend

Koch kritisierte auch den unbefriedigenden Status seiner Feuerwehr. Bei der Änderung des Brandschutzhilfeleistungsgesetzes habe er vehement darum gekämpft, dass die Feuerwehr Kirchheim auf Grund ihrer Autobahneinsätze als „Stützpunkt mit überörtlicher Bedeutung“ einzustufen sei. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg habe das abgelehnt mit der Begründung, dass die Einsatzgebiete vom RP zugeteilt würden. In Hersfeld, Rotenburg und Obersuhl würden manche Fahrzeuge sowohl bei der Anschaffung als auch bei der Unterhaltung vom Kreis erheblich gefördert. Das sei in Kirchheim nicht der Fall. Koch nannte als Beispiel die Anschaffung eines Hilfeleistungstanklöschfahrzeuges (HTLF), die mit 40 statt mit 30 Prozent gefördert wurde – nominal etwa 20 000 Euro mehr. Für den Einsatz auf der Autobahn musste das Fahrzeug aber zusätzlich mit einer Winde ausgestattet werden. Kosten dafür: 20 000 Euro. Man müsse endlich erkennen, dass „die Feuerwehren, die an der Autobahn ihre Arbeit leisten, entsprechend vom Land ausgestattet werden müssen“, forderte Koch.

Von Bernd Löwenberger

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