250 Dinge, die wir an der Region mögen (24): Die dicke Buche bei Breitenbach/H.

Ruhe und Romantik

Über das Alter der Dicken Buche gibt kein Schild Auskunft. Aber ihre Größe und der wettergegerbte, bemooste Stamm verraten, dass sie schon einige menschliche Generationen überlebt hat. Von der Buche aus hat man einen herrlichen Blick auf Breitenbach am Herzberg. Fotos: Urban

BREITENBACH/H. Wer von Breitenbach zu Fuß zur Dicken Buche am Rand der Herzberger Waldes will, kann zwischen mehreren Wegen wählen. Sie alle steigen steil an und münden im Wald auf den Herzberger Weg. Der schönste – oder besser: der mit dem eindrucksvollsten Rundblick – führt von der Hatteröder Straße über den Mühlberg in die Feldgemarkung bis zum Waldrand.

Kaum hat man das letzte Haus hinter sich gelassen, öffnet sich der Blick auf das freie Feld und in die Täler. Am südwestlichen Fuß des Höhenzuges blitzen einige Dächer von Hatterode auf, am nördlichen reihen sich die Häuser von Breitenbach aneinander. An einer Feldscheune mit Ruhebank hat man das steilste Stück geschafft und wird belohnt mit einer unvergleichlichen Aussicht über die komplette Ortslage sowie östlich bis nach Niederjossa.

Nur wenige hundert Meter weiter, am Waldrand, sieht man bereits die Dicke Buche. Jetzt, im Winter, scheint sie mit ihren kahlen Ästen zu winken, wie eine alte Dame, die sich über ihre seltenen Besucher und nette Gesellschaft freut. Es ist still bei ihr. Die Luft riecht nach Moos, feuchter Erde und dem Harz der benachbarten Fichten. Faltengleiche Borken haben sich in ihre ehemals glatte, graue Rinde gegraben und in der untersten Gabelung des Stammes wächst ein Sämling.

Etwas darüber, drei oder vier Meter hoch, scheinen Buchstaben in den Stamm geritzt zu sein: D B. „Dicke Buche“? Oder hat sich hier ein Konfirmand mit seinen Initialen verewigt oder ein Liebespaar? Die Schnitte müssen schon sehr alt sein, wenn sie so weit oben sitzen. Dass es tatsächlich Schnitte sind, ist zumindest wahrscheinlich, denn die Dicke Buche war schon zu Zeiten unserer Großeltern ein beliebtes Ziel für ein romantisches Schäferstündchen oder den Sonntagsspaziergang.

Beliebter Treffpunkt

Anfang der 1970er Jahre wurde eine Schutzhütte neben ihr aufgestellt. Seither nutzen Jugendliche den Platz zeitweise als Party-Treff. Und zu Silvester kommen Einheimische hierher, um die beste Sicht auf das Feuerwerk aller umliegenden Orte zu genießen.

Aber wer die Dicke Buche allein besucht und genau hin hört, dem erzählt sie vielleicht ihre Erinnerungen. Erlebnisse mit Reh, Fuchs und Hase, mit Vogelfamilien, die in ihrem Geäst wohnen und mit Menschen, die in vergangenen Jahrhunderten unter ihrem Blätterdach Schutz suchten oder ihre Früchte als Nahrung sammelten. Alltagsgeschichten, die kein Schild verraten würde, aber die zu uns gehören wie dieser alte Baum.

Von Dagmar Urban

Kommentare