Kirchheimer Gemeindevertreter verteidigten im voll besetzen Bürgerhaus ihre Pläne

Rettungsschirm – und nun?

Voller Saal: Über 200 Besucher kamen zur Bürgerversammlung nach Kirchheim. Dicht an dicht auf zusätzlich aufgestellten Stühlen drängten sie sich im Bürgerhaus. Foto: Stehr

Kirchheim. Das Bürgerhaus in Kirchheim war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wer zur Bürgerversammlung, in der Bürgermeister Manfred Koch über den Rettungsschirm und die damit verbundenen Konsequenzen für die Gemeinde Kirchheim berichtete, zu spät kam, musste sich mit einem Stehplatz begnügen. Über 200 Kirchheimer, aber auch Bewohner anderer Gemeinden waren gekommen, um zu diskutieren.

Aber richtig heiß ging es im Saal nur deshalb zu, weil der Raum eben gut gefüllt war. Wer zuvor einen wilden Schlagabtausch erwartet hatte, musste schnell feststellen, dass die Versammlung in ruhigen Bahnen verlief. Nur selten kochten die Emotionen hoch.

Lauter Applaus brandete auf, als ein Redner ans Mikrofon trat, und lautstark forderte: „Wir brauchen nicht erst 2013 Geld, wir brauchen es jetzt.“

Zuvor hatte der der Erste Beigeordnete Carl-Gerold Mende in einer 70 Minuten dauernden Präsentation dargestellt, was es für Kirchheim bedeutet, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. „3,1 Millionen unserer Verbindlichkeiten werden durch den Schutzschirm übernommen“, sagte Mende. Geld, auf das die Gemeinde nach Angaben von Koch und Mende nicht verzichten will.

Kostendeckung bei 30 Prozent

Wollen unter den Rettungsschirm: Carl-Gerold Mende, Reiner Weppler und Manfred Koch (von links). Foto: Stehr

Beide wurden im Laufe des Abends nicht müde, zu betonen, dass sie und die Gemeinde, um unter den Schutzschirm zu kommen, etliche Vorgaben erfüllen müssen. So begründeten sie auch die Erhöhung der Kindergarten gebühren. „Die Kostendeckung muss bei 30 Prozent liegen“, erklärte Koch. Ihm entgegnete ein junger Familienvater, dass er, der seit einem Jahr in Kirchheim wohnt, nun im Jahr rund 1000 Euro mehr aufbringen müsse. „Ich habe ein Haus, zwei Kinder und einen Hund“, sagte der Mann. Da neben den Kindergartengebühren auch die Grundsteuer und die Hundesteuer steigen sollen, war der Mann dreifach betroffen.

Unverständnis zeigten viele Zuhörer darüber, dass die Gemeinde die Dorfgemeinschaftshäuser erhalten will, obwohl, so ein Redner, diese kaum genutzt werden würden. Koch und Mende ließen sich nicht davon überzeugen und betonten die Wichtigkeit der Häuser für die einzelnen Ortsteile.

Auch Gegner der Pferdesteuer, die mit dem Rettungsschirm eingeführt werden soll, waren vor Ort. Aus Schwalmstadt und Grünberg waren sie gekommen. Ihnen entgegnete Koch, dass über die Rechtmäßigkeit der Pferdesteuer demnächst die Gerichte entscheiden würden.

Gegensätzliche Meinungen prallten auch bei den Themen Bettensteuer, Schließung des Tier- und Freizeitparks und Kosten für die Tourismus GmbH aufeinander. Immer wieder fehlten einigen Zuhörern die Antworten, und immer wieder betonten die Gemeindevertreter, diese doch bereits in der Präsentation gegeben zu haben. So wurden nach drei Stunden immer mehr Plätze im Saal frei.

Von Claudia Stehr

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