Lutz Seibel verabschiedet sich nach zwölf Jahren als Schulleiter in Niederaula

Rastlos in den Ruhestand

Verabschiedet sich aus dem Schuldienst: Lutz Seibel, Schulleiter der Gesamtschule Niederaula, geht in den Ruhestand. Die passende Freizeitkleidung hat sich der 65-Jährige bereits zugelegt. Foto: Eisenberg

Niederaula. Auch in den letzten Arbeitstagen steht das Telefon im Büro von Lutz Seibel nicht still, müssen Gespräche mit Behörden und Eltern geführt werden, standen Zeugnis- und Schulkonferenz sowie die Entlassungsfeier für die Schulabgänger an.

Mitten in diesen Trouble fällt auch Seibels eigene Verabschiedungsfeier am heutigen Mittwoch. Nach zwölf Jahren an der Spitze der Gesamtschule Niederaula wird der 65-Jährige offiziell in den Ruhestand entlassen. Seinen letzten Arbeitstag hat der Schulleiter allerdings erst eine Woche später, wenn er ein letztes Mal selbst den Mittwochs-Dienst in den Ferien übernimmt.

Vor seinem Wechsel ins Aulatal war Seibel Förderstufenleiter an der Gesamtschule Obersberg in Bad Hersfeld. Dass dort der Gymnasialzweig aus der Förderstufe herausgelöst wurde, habe ihm „pädagogisch den Boden unter den Füßen weggezogen“ – aber dadurch gleichzeitig auch die Entscheidung erleichtert, sich in Niederaula auf die Leitungsstelle zu bewerben. „Ich habe mein ganzes Berufsleben an Gesamtschulen verbracht“, sagt er. In seiner Jugend im Marburger Land sei es einem Stigma gleichgekommen, am Gymnasium gescheitert zu sein. Die Gesamtschule ermögliche hingegen den Wechsel in den höheren oder niedrigeren Schulzweig, ohne dass sich das Umfeld ändere. „Entscheidend ist aber nicht, was über dem Eingang steht, sondern was hinter den Klassentüren passiert“, stellt der scheidende Schulleiter klar. Sowohl baulich als auch strukturell hat die Niederaulaer Gesamtschule während Seibels Amtszeit einen Wandel durchlebt. Bei der Sanierung ging er neue Wege und ließ anstelle von Containern mit Hilfe von Sponsoren ein festes Ausweichquartier – die heutige Aula – errichten. Als selbständige Schule darf die Einrichtung mittlerweile über den vom Land gestellten Etat verfügen. Auch das Personal wurde verjüngt, „bei der Hälfte der Kollegen war ich an der Einstellung beteiligt“, erzählt der 65-Jährige.

Zurück zu G9

Die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit, den Ausbau der Ganztagsangebote, Inklusion, die Einstellung eines Schulsozialarbeiters und die Schaffung des Schwerpunktes in der Berufs- und Studienorientierung, nennt der Schulleiter als weitere Meilensteine. Im Kreuzfeuer der Kritik sah sich Seibel, weil auf dem Schulgelände, unter anderem in den Toilettenvorräumen, Kameras angebracht wurden. Für diese Entscheidung hätten Eltern und Schüler aber „von Anfang an Flagge gezeigt“. Verschmutzungen und Beschädigungen seien deutlich zurückgegangen.

Bei einer Fortbildung habe ein Referent die wachsenden Anforderungen mit einem Schlitten verglichen, auf den weitere Bausteine aufgeladen werden. Diesen Schlitten wird künftig die bisherige Hauptschulzweigleiterin Nicole Hoff ziehen. „Der persönliche Austausch mit den Kollegen und Schülern wird mir sicher fehlen“, sagt Seibel. Seinen Ruhestand will der 65-Jährige unter anderem zum Wandern oder Radfahren nutzen. „Und ich werde es genießen, keine Termine und weniger Verantwortung zu haben“.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare