Glanzvolle Premiere: Theatergruppe Klarteckst überzeugt mit feinem Boulevardtheater

Politiker und Lobbyisten

Mit neuem Stil feierte die Breitenbacher Theatergruppe Klarteckst Premiere in ihrem Theater-Treff . Von links: Falk Stolle, Ute Pistor. Lara Modenbach, Marcel Henselin, Carina Becker, Brunhilde Höhler, Meggie Eiler, Stefan Pistor, Astrid Orth und Petra Hühn. Foto Löwenberger

Breitenbach/h. Der eine oder andere Klarteckstfan mag ein wenig enttäuscht nach Hause gegangen sein, nach der Premiere der Breitenbacher Theatergruppe Klarteckst am Samstagabend. Kein Türenschlagen, kein Schenkelklopfen, kein Klamauk und keine Lachkrämpfe.

Aus dem Dreiakter von Hans Schimmel „Zum Teufel Herr Minister“ haben die zehn Protagonisten auf der Hermannsbühne im Breitenbacher Theater-Treff unter der Regie von Karsten Orth feines Boulevardtheater gemacht, wie man es so von einer Laienspielgruppe nicht erwarten konnte. Hervorragend besetzte Rollen, klar definierte Charaktere, präzises Spiel, saubere Darstellung und professionelle Auftritte hätten auch auf die Bühne eines Schauspielhauses gepasst.

Auch wenn die Story – ein strafversetzter Teufel niedriger Kategorie soll neue Seelen für die Hölle rekrutieren – eher hanebüchen oder märchenhaft klingt, ist das Stück aktueller denn je, nicht zuletzt durch Anpassung der Dialoge und Texte an regionale und gegenwärtige Verhältnisse.

Von unglaubwürdigen Politikern und skrupellosen Lobbyisten, mangelnden Geld- und Energiereserven, über Klimaschutz und Immigranten bis hin zu Griechenland, Rettungsschirm und Abhöraffäre wird so ziemlich das komplette aktuelle Geschehen berührt und mit scharfer Zunge, spitzen Pointen, überraschenden Gags – und auch einigen Plattitüden – vortrefflich subtil in die Handlung eingebunden.

Als Team sind sie aufgetreten, als solches haben sie überzeugt, in nicht üppigem Bühnenbild, dafür mit überraschenden und gut gemachten Effekten. Aber auch jeder Einzelne hat seine Rolle bestens ausgefüllt: Falk Stolle, der als H3 Teufel „Bölchen“ die Seelen rekrutieren muss, Ute Pistor, als seine Vorgesetzte „Beliar“ mit donnernden Auftritten. Stefan Pistor, der selbstherrliche und nichtswissende „Minister Rudolf Brause“ und seine Vorzimmerdame „Sabine Ohlendorf“, die absolut authentische Astrid Orth.

Marcel Henselin gibt den Quotentürken des Ministeriums, Ali“ ebenso überzeugend wie Carina Becker die gewissenlose Lobbyistin „Sarah Wünsch“.

Meggie Eiler hält als aus dem Nichts erscheinende Schwester des Ministers eine himmlische Überraschung bereit, und auch Petra Hühn als arbeitsscheue Hausmeisterin „Maria Wuttke“ und Brunhilde Höhler als selbsternannte Südseeinselkönigin mit unaussprechlichem Namen blieben ihren Rollen nichts schuldig. Übersinnliches, Sinnliches, Skurriles und Reales haben die Klarteckstler zum Start in die Spielsaison 2013/2014 in einer neuen Art und Weise auf die Bühne gebracht – spannend, lustig, aktuell und auf hohem Niveau.

Von Bernd Löwenberger

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