Publikum und Kabarettist Gerd Hoffmann finden nicht so recht zueinander

Vom Pförtner bis zum Papst

Gerd Hoffmann

Oberaula. Mehr als 50 Besucher waren der Einladung der „Kulturinitiative Kunst und Dunst Schwalm-Knüll“ am Sonntagabend in das Oberaulaer Flair-Hotel Zum Stern zu dem Politkabarett „Normal Null“ von Gerd Hoffmann gefolgt. Die saßen dem Künstler meist nachdenklich und mit Falten auf der Stirn gegenüber. Ab und an huschte ein Schmunzeln über die Gesichter, wahre Lacher waren selten, ebenso wie Applaus.

Dabei hat der Künstler alles Aktuelle und manch Vergangenes drauf: Von Griechenland bis IS und Pegida, von GroKo bis NSA und all die anderen üblichen „Verdächtigen“. Ob Steinmeier oder Seehofer, Schäuble oder Dobrindt und noch ein paar mehr und natürlich aller Kabarettisten Lieblinge: von der Leyen, Gauck und die Kanzlerin. Auch international lässt er kaum jemanden aus, nicht Putin nicht Obama und nicht den Papst. „Die Kirche hat zu viel Geld“, habe letzterer kürzlich gesagt, weiß der Kabarettist, Autor und Regisseur aus Berlin. Die Übersendung der eigenen Daten an den Vatikan habe aber bislang keine Auswirkungen auf sein Konto gehabt.

Hoffman prangert an, kein Zweifel. Das Regime, die Politik und ihre Vertreter, Systeme und Einrichtungen, Staat und Kirche, oft ironisch, oft mit Pointen. Die aber sind vielfach versteckt oder erschließen sich erst nach einigem Nachdenken. Mal ist er dabei Kabarettist, eher der tiefgreifende, nachdenkliche, mal der Mann von Nebenan, dem gerade etwas fürchterlich auf den Senkel geht, mal der Lehrer mit erhobenem Zeigefinger und mal scheint er gerade eine Rede für die Kandidatur für ein hohes politisches Amt zu halten.

So oder so: Gerd Hoffmann hat anderthalb Stunden hochkarätig unterhalten. Wer sich auf ihn eingelassen hat, wird manches jetzt aus neuem Blickwinkel betrachten und dem Abend einiges abgewinnen können. Wer mehr leichte Kost erwartet hatte, war sicherlich am falschen Platz.

Aber: Etwas mehr Einsatz seitens des Protagonisten hätte wohl nicht geschadet. Einfach nur Programm abspulen, reicht auch in der Provinz nicht und die gespielte Spontaneität war nur zu leicht zu durchschauen. Vielleicht hatte der Künstler nicht gerade seinen besten Tag, vielleicht hätte ihm aber auch ein wenig mehr Resonanz aus dem Publikum gutgetan, um in Schwung zu kommen. Foto: Löwenberger

Von Bernd Löwenberger

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