Montagsinterview mit Bertold Schmidt zum Thema Osterbräuche in der Region

Ostern als Familienfest

Experte für Oster-Bräuche: Bertold Schmidt mit einem mit bemalten Eiern verzierten Palmstecken, wie er in katholischen Gegenden verwendet wird. Foto: Eisenberg

Kirchheim. Zum Osterfest am kommenden Sonntag werden wieder zahlreiche Kinder im Landkreis Hersfeld-Rotenburg bunte Eier im Garten suchen. Die Bedeutung von Ostern und die Herkunft der Osterbräuche kennt heute kaum noch jemand.

Wir sprachen mit dem Brauchtumsexperten Bertold Schmidt, der in seiner Museumsscheune in Kirchheim auch zahlreiche Exponate zum Thema Ostern gesammelt hat.

Vorweg eine ganz praktische Frage: Werden die Ostereier im Hause Schmidt traditionell mit Zwiebelschalen gefärbt, oder greifen Sie zur Farbe aus dem Supermarkt?

Bertold Schmidt: Ich muss zugeben, dass uns das Färben mit Zwiebelschalen zu kompliziert ist. Wir machen das mit normalen Eierfarben, aber es ist seit Jahren Tradition bei uns.

Sogar meine mittlerweile 26-jährige Tochter möchte nach wie vor in unserem Garten Ostereier suchen.

Woher kommt denn der Brauch, an Ostern bunte Eier zu verstecken?

Schmidt: Überliefert ist, dass bereits im 17. Jahrhundert der Osterhase die Eier versteckt. Da früher in der Fastenzeit keine Eier gegessen werden durften, standen vor Ostern besonders viele zur Verfügung.

Wie wurde denn zu Urgroßvaters Zeiten Ostern gefeiert?

Schmidt: Ostern wurde hauptsächlich als christliches Fest gefeiert. An Palmsonntag wurde an den Einzug von Jesus in Jerusalem erinnert, an Karfreitag an seine Kreuzigung und an Ostern an seine Auferstehung. Man hat zu Ostern viel gebacken, da gab es spezielle Formen, sogenanntes Gebild-Gebäck, das man extra zu Ostern anfertigte. Zum Beispiel das Osterlamm aus Biskuit-Teig, das ja auch heute noch häufig gebacken wird.

Und seit wann gibt es Schokoladenosterhasen?

Schmidt: Schokoladenosterhasen gibt es auch schon weit über 100 Jahre. Sie sind ja auch heute noch ein beliebtes Beiwerk im Osternest.

Welche Rolle spielten die heidnischen Bräuche?

Schmidt: Das kann man nicht genau trennen. Je weiter man in der Zeit zurückgeht, desto mehr waren die heidnischen Traditionen vorherrschend. Seit über 1000 Jahren ist das christliche Gedankengut der wesentliche Faktor von Ostern. Mit Sicherheit heidnischen Ursprungs ist das Entzünden des Osterfeuers.

Gibt es spezielle Osterbräuche, die nur hier in der Region verbreitet sind?

Schmidt: Neben dem Eiersuchen ist hier das Eierwerfen verbreitet. Man hat also die Eier möglichst weit weggeworfen, ohne dass sie kaputtgehen sollten. Oder man hat sie über den Dachfirst geworfen. Auch die Osterfeuer sind in vielen Ortschaften noch üblich. Besonders schön finde ich den neueren Brauch, im Garten Sträucher mit Ostereiern zu schmücken.

Hat Ostern in der heutigen Zeit an Bedeutung verloren?

Schmidt: Der christliche Aspekt ist in vielen Bevölkerungsschichten verloren gegangen. Ostern ist zu einem Geschenketag geworden. Der familiäre Aspekt, etwa ein gemeinsames Essen, spielt nach wie vor eine große Rolle.

Und wie feiern Sie Ostern?

Schmidt: Ich feiere Ostern mit meiner Familie. Es hat sich bei uns eingebürgert, dass wir Nachbarskinder einladen, dem Alter entsprechend, auf unserem Grundstück Ostereier zu suchen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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