Schutzwand an der Autobahn 4 bei Kirchheim ist noch immer nicht repariert

Ortstermin an Unfallstelle

Der Kirchheimer Bürgermeister Manfred Koch, der ehemalige SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Kimpel und der Landtagsabgeordnete Torsten Warnecke (von links) überzeugten sich am Freitagvormittag davon, dass das Loch in der Gleitschutzwand auf der A 4 oberhalb der Schulstraße nach mehr als zwei Monaten noch immer nicht repariert ist. Foto: Löwenberger

Kirchheim. Der Aufstieg durch dichtes Gestrüpp ist steil und beschwerlich, der Aufenthalt direkt an der Autobahn lebensgefährlich. Am Ende der fast zehn Meter hohen steilen Böschung klafft über der Schulstraße in Kirchheim auf der A 4 noch immer ein meterlanges Loch in der Gleitschutzwand.

„Dieser Zustand ist absolut nicht hinnehmbar“, wettert Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch, der sich am Freitagvormittag gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Torsten Warnecke und Anwohner Helmut Kimpel, alle SPD, noch einmal von dem gefährlichen Zustand des Schutzwerks überzeugte.

Unfall am 29. Mai

Am 29. Mai war hier ein Silo-Sattelzug in die Mauer eingeschlagen und nach Expertenmeinung nur deshalb nicht durchgebrochen und bis auf die Schulstraße gestürzt, weil er unbeladen war und die Mauer in sehr spitzem Winkel traf. Bis zu 500 Tonnen Aufschlagskraft könnten entstehen, wenn ein 40-Tonner mit den hier erlaubten 80 Stundenkilometern in die Wand kracht, hatte der ehemalige Ingenieur Kimpel errechnet. Die neun in die Mauer eingelassenen Stahlseile hielten indes nur maximal je sieben Tonnen Zugkraft aus.

„Statt irgendwelche Blödschilder, die es in der Straßenverkehrsordnung gar nicht gibt, aufstellen zu lassen (Warnschilder vor stationären Geschwindigkeitsmessanlagen, Anm. d. Red.) hätte sich unser Verkehrsminister lieber um eine zügige Entschärfung dieser Gefahrenstelle kümmern sollen“, ereiferte sich auch Warnecke und zeigte keinerlei Verständnis für die fast zweieinhalbmonatige Verzögerung.

„Rund 120 Kindergartenkinder, 150 Schulkinder und etwa 800 Anwohner müssen die A 4 direkt neben der Unfallstelle tagtäglich unterqueren“, informierte Koch. Zu Schulbeginn und auch mittags führen außer den Schulbussen bis zu 200 Autos pro Stunde unter der Autobahnbrücke durch, ergänzte Kimpel. Er erinnerte an weitere Unfälle fast an der gleichen Stelle. Am 12. Januar 2009 hatten nur mehrere starke Bäume einen 40-Tonner vom Sturz auf die Straße „Am Sportplatz“, abgehalten, am 5. Dezember 2011 war ein abgerissenes Führerhaus die Böschung herunter auf die Schulstraße gestürzt und am 22. Januar dieses Jahres hätte es ein Sattelzug fast bis auf den Sportplatz geschafft.

Jetzt soll das Verkehrsministerium erneut aufgefordert werden, die Gefahrenstelle umgehend zu beseitigen. Zudem wollen Warnecke und Koch noch einmal die Einrichtung einer stationären Geschwindigkeitsmessanlage einfordern.

Rentsch antwortet nicht

Besonders sauer sind Koch und Warnecke über ein Schreiben von Staatsminister Florian Rentsch vom März 2013, in dem er zwar „eine intensivere Überwachung des Lkw-Verkehrs in diesem Bereich für angebracht“ hält, wonach aber gleichzeitig nach einer Statistik aus den Jahren 2009 bis 2012 und dem „Merkblatt zur öffentlichen Unfalluntersuchung hier keine Unfallhäufungsstelle“ vorliege. Koch hat den Minister daraufhin nach Kirchheim eingeladen. Eine Antwort liegt noch nicht vor.

Von Bernd Löwenberger

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