Evangelischer Arbeitskreis diskutierte in Niederaula

Ohne Ehrenamt läuft in den Gemeinden nichts

Diskutierten über das Ehrenamt: Pfarrer Thorsten Waap, Staatsminister Axel Wintermeyer, Moderator Tobias Utter, Bürgermeister Walter Glänzer und Pastor Ralph Habener (von links). Foto: nh

Niederaula. „Je höher der Wohlstand, desto weniger Bereitschaft ist vorhanden, sich für ein Ehrenamt zu engagieren“, meint der hessische Landesvorsitzende des evangelischen Arbeitskreises der CDU (EAK), Staatsminister Axel Wintermeyer. Über diese These diskutierten unter der Leitung von Tobias Utter (MdL) jetzt vier Experten aus Politik und Kirche im Haus der evangelischen Gemeinschaft in Niederaula.

„Ohne das Ehrenamt gäbe es keine Chance, die Gemeinde so fortzuführen“, sagte Bürgermeister Walter Glänzer. Ob Feuerwehr, Landfrauen, Gesangvereine und viele andere – sie machten das Leben auf dem Lande lebenswert. Die Kommunen und Kirchen müssten eng zusammenarbeiten. In seiner Gemeinde funktioniere dies hervorragend.

Pfarrer Thorsten Waap kümmert sich in Heringen um 2500 Gemeindemitglieder. Waap hat viele Ideen und Konzepte entwickelt, um die tägliche Arbeit gemeinsam mit einem engagierten Team leisten zu können. Er spüre die Auswirkungen der Sparzwänge und Stellenstreichungen hautnah. Waap warb aber auch für die Hauptamtlichen. Sie seien wichtig, um Freiwillige zum Ehrenamt begeistern zu können.

Die Ansprüche wachsen

Pastor Ralph Habener, Leiter der Freien Christengemeinde Bad Hersfeld und Kreisvorsitzender des EAK, zeigte eine weitere Problematik auf: „Die Ansprüche in unserer Gesellschaft wachsen. Alles soll nur noch hochglanz-professionell sein. Dazu kommen immer mehr Gesetze und Vorschriften auf die Vereine zu. Viele haben schlicht Angst, ein Ehrenamt zu übernehmen.“

Minister Wintermeyer schlug deshalb vor, die Kräfte zu bündeln. Viele Vereine suchen zum Beispiel Kassierer oder Schriftführer. Die Buchhaltung könnte etwa ein Steuerberater übernehmen.

Alle vier Diskussionsteilnehmer sind selbst schon seit frühsten Jahren ehrenamtlich aktiv – sei es in der Jugendfeuerwehr oder in den Nachwuchsorganisationen der Kirchen und Parteien.

Sie haben die Vorzüge des freiwilligen Engagements früh kennen gelernt: Die Gemeinschaft ist es. Und gerade die Folgen des Jahrhundert-Hochwassers der vergangenen Wochen hätten eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig das Ehrenamt ist. (red/kai)

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