Gleichzeitig soll Fernwärmeleitung verlegt werden

Neuer Kanal für die Hattenbacher Straße

Solms. Erheblich günstiger als geplant ist die Kanalsanierung in Niederaula bisher verlaufen. Statt der bisher bewilligten 2,9 Millionen Euro aus dem Landes- und Sofortprogramm für die Kanalsanierung hat die Marktgemeinde Niederaula bisher nur 2,3 Millionen Euro verbraucht, weil mehrere Kanäle im Inliner-Verfahren saniert werden konnten, also ohne die Straße komplett aufzugraben.

Bürgermeister Thomas Rohrbach schlug dem Gemeindeparlament deshalb bei dessen Sitzung in Solms vor, in Anbetracht des noch vorhandenen Geldes möglichst bald ein weiteres Projekt in Angriff zu nehmen. Dafür müssten dann außerplanmäßig 299 000 Euro bereitgestellt werden.

Synergieeffekte nutzen

Für die umgehende Erneuerung des Schmutzwasserkanals im Gehweg in der Hattenbacher Straße sprechen zwei Gründe. Zum einen ist er bereits bei einer Kanalbefahrung vor zwölf Jahren in die Schadensklasse fünf eingestuft worden und weist so erhebliche Schäden auf, dass hier auf jeden Fall eine Kompletterneuerung notwendig ist, erläuterte Rohrbach. Zum anderen plant Manfred Henning, der Betreiber der Biogasanlage am Ortsrand von Niederaula, eine Fernwärmeleitung zur Gesamtschule zu verlegen. Bei einer gemeinsamen Trassenführung ließen sich, so Rohrbach, Synergieeffekte bei Planung und Ausführung für Marktgemeinde und Investor erzielen.

Diese Argumentation fanden die Gemeindevertreterinnen und -vertreter aller Fraktionen durchaus sinnvoll und nachvollziehbar. Erhebliche Verwunderung löste jedoch die Tatsache aus, dass die vor zwölf Jahren festgestellten Schäden nicht schon früher behoben worden seien. Zudem fragten sich die Parlamentarier, unter anderem Rolf Müller und Robert-Helge Patry (CDU), Stefan Ickler (SPD) und Wolfgang Köhler (Bündnis 90/Die Grünen), welche „Leichen“ noch im Untergrund der Marktgemeinde vergraben liegen.

Die Bauverwaltung arbeite an einer Aufstellung der Schäden, versicherte Bürgermeister Rohrbach. Er machte aber auch deutlich, dass mit der derzeitigen personellen Besetzung nicht alles gleichzeitig erledigt werden könne. Und bei der Frage, warum nicht schon längst etwas passiert sei, sah er auch das Parlament in der Verantwortung: „Das sind Dinge, die unangenehm sind. Da will sich keiner damit befassen. Das macht Stress und verursacht hohe Kosten für die Gemeinde und die Bürger. Das wollten wir doch gar nicht wissen“, gab er denen Abgeordneten, von den viele schon seit Jahren kommunalpolitisch aktiv sind, selbstkritisch zu bedenken.

Kanal und Fernwärmeleitung sollen aber auf jeden Fall gebaut werden. Das beschloss das Parlament einstimmig bei einer Enthaltung.

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