Nachwuchssorgen für Ärzte immer dramatischer

Hersfeld-Rotenburg. Bis 2020 wird fast jeder zweite Hausarzt im Kreis Hersfeld-Rotenburg einen Nachfolger suchen, und auch bei den Fachärzten wird es in den kommenden Jahren eng. Das hatte der Regionale Gesundheitsreport vom Hessischen Sozialministerium und der Kassenärztlichen Vereinigung im Mai prognostiziert (wir berichteten). Aber auch schon jetzt gibt es Ärzte, bei denen eine Übergabe der Praxis zu scheitern droht.

In Bad Hersfeld suchen die alteingesessenen Zahnärzte Joachim und Anette Dähn seit drei Jahren einen Nachfolger für ihre Praxis, wobei es am Preis nicht scheitern soll, wie sie sagen. Noch gibt es im Kreis, und vor allem in Bad Hersfeld, zwar eine Überversorgung mit Zahnärzten, doch laut Dr. Wolfgang Winges, Sprecher der Zahnärzte im Kreis, stehen mehrere ältere Kollegen vor der Aufgabe ihrer Praxen. Für die Patienten sei es wichtig, zeitnah Termine zu bekommen. Für viele Ärzte sei die eigene Praxis zudem eine Altersvorsorge. „Das wird also auch für uns ein Problem“, so Winges. Dass auch die Zahnärzte, die lange als privilegiert galten, inzwischen Nachfolgeprobleme haben, führt Winges auf die Verweiblichung des Berufs, die „Stadtflucht“ und die hohen Investitionskosten, gepaart mit einer restriktiven Kreditvergabe, zurück. Winges rät allen Kollegen, sich rechtzeitig Gedanken über die Nachfolge zu machen und sich zu kümmern.

Dr. Martin Ebel, Sprecher der Hausärzte im Landkreis, kritisiert für seine Zunft vor allem das „elende System“. Die „Verjuristisierung und Kriminalisierung“ schrecke viele junge Mediziner ab. Wenn die Krankenkassen weniger gestalterisch eingriffen, ändere sich auch die Versorgungssituation, meint Ebel. Er wünscht sich weniger Reglementierungen und überflüssige Kontrollen. Mit dem Begriff Überversorgung müsse man darüber hinaus vorsichtig sein, denn trotzdem gebe es bei den Fachärzten lange Wartezeiten. (nm)

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