Diskussionen mit Politikern sollen vor der Wahl informieren

Milchbauern in Gefahr

Änderungen dringend nötig: „0,50 Euro kostet die Produktion eines Liters Milch“, weiß Klaus Vetter. „Auf dem Weltmarkt liegt der Preis bei 0,47 Euro pro Liter, wir bekommen zurzeit 0,37 Euro. Wo bleibt da der Vorteil der Globalisierung für den Milcherzeuger?“ (Foto: Urban)

Breitenbach/ h. Ausbeutung und Spekulation mit Lebensmitteln schaden Landwirten und Verbrauchern. Welche Partei bietet wirkungsvolle Gegenmaßnahmen will deshalb der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) wissen und lädt unter dem Motto „Milchbauern vor der Wahl“ zu Diskussionsabenden mit den Bundestagskandidaten Michael Roth (SPD), Nicole Maisch (Die Grünen) und Helmut Heiderich (CDU) ein.

Die erste Veranstaltung findet am Mittwoch, 3. Juli, ab 20.30 Uhr in den Bürgerstuben in Friedlos statt.

„Essen, arbeiten, schlafen. Das kann keine Zukunftsperspektive für die Milchbauern sein“, sagt Klaus Vetter. Der BDM-Kreisvorsitzende kennt genug Beispiele von Kollegen, deren Existenzen stark bedroht sind. Zudem verursachten spekulative Geschäfte mit Nahrungsmitteln große finanzielle Schäden, beispielsweise der Handel mit Butter. Der Milcherzeuger erklärt: „Im April/Mai 2012 kostete ein Kilo Butter 2,20 Euro. Im Juni dieses Jahres kostete das Kilo 4,20 Euro. Vergangenes Jahr waren EU-weit 50 000 Tonnen Butter bevorratet. Momentan sind die Lagerbestände auf etwa 5000 Tonnen zurückgefahren. Die Butter wurde durch staatlich geförderte Intervention aufgekauft und wird dem Markt wieder zugeführt, wenn sich die Preise erholt haben. Gefrorene Butter ist sieben Jahre haltbar. An der Preisdifferenz von zwei Euro pro Kilo wurden also rund 100 Millionen Euro verdient. Aber diese Gewinne gehen nicht zurück an die Erzeuger.“

Um die Betriebe zu stützen, die Verbraucherpreise zu stabilisieren und unabhängig von öffentlichen Geldern zu werden, fordert der BDM die Regulierung des Marktes. „Aber Produktionsverzicht gegen Entschädigung stößt bei Bauernverband, Agrarindustrie und Politik auf Widerstand, obwohl 60 Prozent der Landwirte dafür sind“, erklärt Vetter. „Wir sollen uns organisieren und fordern, aber genau das wird nicht, wie bei Amazon, unterstützt. Im Dialog mit den Politikern werden wir abfragen, inwieweit sie hinter unseren Forderungen stehen“, kündigt er an. „Wir werden einen Fragenkatalog vorlegen, der mit jedem Kandidaten Punkt für Punkt abgehandelt wird. Nach der Wahl kann jeder kontrollieren, ob die Aussagen eingehalten werden.“

Veranstaltung am 3. Juli

Neben Fragen rund um den Milchmarkt sollen die Kandidaten zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP 2013) Stellung nehmen, zur Novellierung der Düngemittelverordnung und zur Produktkennzeichnung.

Für die weiteren Diskussions-Termine am 7. August und 9. September werden Ort und Zeit noch bekanntgegeben. Gäste sind dabei immer willkommen. (du)

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