250 Dinge, die wir an der Region mögen (202): Die Scheune an der Aula im Kirchheim

Ein Märchen wird wahr

Über 200 Jahre alt ist die Scheune aus Meckbach. Seit über einem viertel Jahrhundert bildet sie mit einigen anderen Gebäuden das Freilichtmuseum „Scheune an der Aula“ in Kirchheim.

Kirchheim. Es war einmal eine Scheune, die war 1790 in Meckbach erbaut worden und hatte den Menschen lange Zeit gute Dienste geleistet. 200 Jahre später aber stand sie ungenutzt herum und niemand kümmerte sich um sie, bis ein gewisser Bertold Schmidt kam. Er ließ jedes einzelne Teil mit einer Nummer versehen und die Scheune abreißen.

Die Scheune dachte, nun sei ihr letztes Stündlein gekommen. Aber dann, zwei Jahre später, war sie wieder aufgebaut und erstrahlte schöner denn je in neuem Glanz an der Aula in Kirchheim. Mittlerweile hat die alte Scheune Gesellschaft bekommen, von einer noch älteren Stellmacherei aus Heimboldshausen, einem Bienenhaus aus Allendorf, einem nach historischen Plänen gebauten neuen Backhaus, einigen Schuppen und einer hochherrschaftlichen Hundehütte aus dem Kirchheimer Schloss.

Freilichtmuseum

Prall gefüllt mit altertümlichen Gerätschaften des Handwerks, der Landwirtschaft und des täglichen Lebens ist nunmehr aus der alten Scheune und den sieben Gebäuden darum herum ein schönes, kleines Freilichtmuseum geworden.

Wo früher Stroh und Heu lagerten, finden heute ständige wechselnde Ausstellungen statt und oft herrscht reger Betrieb auf dem Gelände, etwa wenn nach alter Väter Sitte ein Schwein geschlachtet, Wäsche gewaschen oder Brot gebacken wird. Dann kommen oft auch viele Kinder und erleben staunend, wie das Leben früher war.

Einmal im Jahr wird die Scheune von alten Autos umlagert, oder es wird Apfelsaft gepresst und Kartoffelsuppe gekocht. Oder der Kirchheimer Museumsverein, der das gesamte Objekt trägt, lädt zu Konzerten ein. Dann ziehen sanfte Chorgesänge durch die Räume oder harter Beat und Rock lässt die alten Balken beben. An Sonn- und Feiertagen lädt das Ensemble zu Kaffee und Kuchen und zu einem gemütlichen Plausch ein, entweder am warmen Kamin oder in dem idyllischen Hof.

Am meisten aber freut sich die alte Scheune, wenn auf der kleinen Bühne in der Tenne Märchen vorgelesen oder vorgespielt werden, weil ihr dann immer wieder einfällt, dass für sie ein Märchen wahr geworden ist.

Von Bernd Löwenberger

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