Stipendiatin Nancy Hünger lebt und schreibt eine Woche lang im Hotel Zum Stern

Märchen aus neuer Feder

Junge Lyrikerin: Nancy Hünger aus Erfurt ist eine Woche im Hotel Zum Stern zu Gast. Sie ist Stipendiatin der Stiftung Brückner-Kühner in Oberaula und schreibt ein modernes Märchen. Foto: Schittelkopp

Oberaula. Zwei Wochen zuvor hatte ihre Mutter für Nancy Hünger noch die alten Märchenbücher herausgekramt. Die 32-Jährige aus Erfurt ist eine von elf Stipendiaten, die für eine Woche in Nordhessen leben und arbeiten. Untergebracht ist die Nachwuchsschriftstellerin im Hotel Zum Stern in Oberaula. Sieben Tage lang wird sie dort an einem modernen Märchen schreiben.

„Alle Märchen habe ich natürlich nicht mehr im Kopf“; sagte Nancy Hünger. In ihrer Kindheit bekam sich auch viele russische Märchen vorgelesen. Ihre Kenntnisse der Grimmschen Märchen frischt sie nun auf. „Das Grimmsche Wörterbuch gehörte vorher eher zu meinen Arbeitsmaterialien“, erzählte die Schriftstellerin.

Sie studierte in Weimar Freie Kunst, beschäftigte sich mit Videokunst, Performance und Installation. Zum Schreiben kam sie über die Autorin Gisela Kraft: „Sie war schuld“, scherzte die Thüringerin, durch den persönlichen Kontakt wurde die junge Frau zur Literatur inspiriert. Mittlerweile hat die 32-Jährige bereits vier Bücher veröffentlicht: Ihr erstes Werk war der Gedichtband „Aus blassen Fasern Wirklichkeit“.

In Gedichtform wird Nancy Hünger ihr Märchen nicht schreiben, es wird ein Prosatext. Die ersten zwei Seiten standen am zweiten Tag. Eine Längebegrenzung bekam sie, ansonsten ist sie frei. „Das Märchen soll den Ton der heutigen Zeit treffen“, sagte sie. Viel wollte die Schriftstellerin im Vorfeld nicht verraten: In ihrem Märchen kommt keine Prinzessin vor, aber Tiere spielen eine Rolle.

Sie fühlt sich sehr wohl im Hotel Zum Stern. Familie Lepper unterstützt mit zehn weiteren Gastronomen das Stipendium der Stiftung Brückner-Kühner und des Regionalmanagements Nordhessen. „Wir möchten sie rundum verwöhnen“, sagte Elke Lepper. Hinter der Aktion steht die Idee, dass Autoren im Grimm-Jahr neue Märchen verfassen.

Ihre Woche in Oberaula gestaltet Nancy Hünger ganz nach freien Stücken. „Ich bin ein Frühaufsteher“, erzählte sie. Gleich nach dem Frühstück macht sich an die Arbeit. Entweder sie liest, um sich Ideen zu holen und zu recherchieren, oder sie sitzt im Hotelzimmer und schreibt. Der Garten inspiriere sie zu ihrem Werk: „Die Bäume raunen bis zu meinem Balkon hoch“, fügte sie an, „es lässt sich hier sehr schön arbeiten.“ Die Festspiele in Bad Hersfeld würde sie sich gern anschauen. „Bad Hersfeld war für mich eine der ersten Städte, die wir nach der Wende besucht haben“, erzählt die Erfurterin.

• Am 26. September, stellen die Autoren ihre Märchen in Bad Hersfeld vor.

Von Claudia Schittelkopp

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