HZ-Wahlforum: Kandidaten beurteilen Breitenbachs Finanzlage unterschiedlich

Lage: Solide oder kritisch?

Großes Interesse: Mehr als 200 Zuhörer verfolgten am Donnerstagabend im Breitenbacher Bürgerhaus den Auftritt der Breitenbacher Bürgermeisterkandidaten, zu dem die Hersfelder Zeitung eingeladen hatte. Fotos: Tanja Herko

Breitenbach/H. Eine Leidenschaft verbindet die Breitenbacher Bürgermeisterkandidaten: Ernst Liebich und Volker Jaritz sind Fans des Burg-Herzberg-Festivals. Dabei schätzen beide die Atmosphäre des Hippie-Treffens, egal ob bekannte oder weniger bekannte Künstler auf der Bühne stehen, antworteten die Parteilosen auf die Abschlussfrage von HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff.

Zuvor hatten die Kandidaten beim Wahlforum der Hersfelder Zeitung im Bürgerhaus der Herzberggemeinde vor gut 200 Zuhörern eineinhalb Stunden lang engagiert und teils kontrovers diskutiert.

Unterschiedliche Auffassungen hatten beide etwa darüber, wie die finanzielle Situation der Herzberggemeinde einzustufen sei. In diesem Bereich sah Herausforderer Ernst Liebich in den vergangenen Jahren Versäumnisse in der kaufmännischen Buchführung. Eine adäquate Kosten-Leistungs-Rechnung fehle.

„Niemand hat in der Vergangenheit geschlampt“, konterte hingegen Amtsinhaber Volker Jaritz. Die Gemeindefinanzen seien solide, Defizit und Schuldenstand lägen weit unter dem anderer Gemeinden. Wenn Liebich die Finanzlage als kritisch bezeichne, reiße er Aussagen aus den Berichten des Landesrechnungshofes aus dem Zusammenhang.

Er wolle zunächst alle Kostenstellen auf Einsparpotenzial analysieren, antwortete Liebich, der als Innenrevisor arbeitet, auf die Frage des Moderators Struthoff, wo das fehlende Geld denn herkommen solle. „Vorher kann ich Ihnen nicht sagen: In Haushaltsstelle 35 spare ich so viel.“

Land in der Pflicht

Amtsinhaber Volker Jaritz sah vor allem Bund und Länder in der Pflicht, wieder hinnehmbare Rahmenbedingungen für die Gemeinden zu schaffen. Unter den Rettungsschirm des Landes zu schlüpfen, ist für beide Kandidaten keine Option, ebenso wenig wie eine Fusion mit den Nachbarkommunen zur Großgemeinde Aulatal. Synergieeffekte erhofft sich Ernst Liebich jedoch durch die interkommunale Zusammenarbeit und denkt dabei etwa an ein zentrales Baumanagement oder einen gemeinsamen Bilanzfachmann. Volker Jaritz verwies auf Gespräche mit Kirchheim und Niederaula.

Im Bauhof sei eine Kooperation jedoch schwierig, da man in Breitenbach mittlerweile auf Projektarbeit im Tief- und Straßenbau ausgelegt sei. Und die Abgabe einer Verwaltungsstelle komme beispielsweise die Gemeinde Ottrau mittlerweile teuer zu stehen. In etwa 15 Jahren, so der 56-Jährige, sei jedoch eine Verwaltungsgemeinschaft aus Gemeinden mit eigenständigen Parlamenten, aber einem gemeinsamen Verwaltungsdirektor statt Bürgermeistern denkbar.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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