Unter abenteuerlichen Umständen spürte Rolf Bothe vor 15 Jahren wertvolles Gemälde auf

Krimi um Christuskopf

Wieder im Weimarer Schlossmuseum: Das Foto entstand am 8. Dezember 2000 und zeigt Professor Rolf Bothe mit dem aus den USA zurückgekehrten wertvollen Christusbild des Renaissancemalers Jacopo de Barbari. Foto: dpa

Oberjossa. Als Rolf Bothe aus Oberjossa vor kurzem in unserer Zeitung in einem Artikel über Jesus die Abbildung von Jacopo de Barbaris Gemälde „Christuskopf“ entdeckte, kamen schlagartig die Erinnerungen zurück.

Die Erinnerungen an einen Agententhriller, den ein Hollywood-Autor nicht besser hätte schreiben können. Mittendrin Rolf Bothe, der als damaliger Direktor der staatlichen Kunstsammlungen und Museen in Weimar half, das verschollen geglaubte Gemälde des venezianischen Malers zurückzuholen. Alles beginnt am 2. August 1999 um 11.15 Uhr mit einem Anruf. „Zum Glück war meine Sekretärin gerade nicht da und ich nahm direkt ab. Ansonsten wäre die Rufnummer auf meinem Apparat gar nicht angezeigt worden“, erzählt der 75-Jährige heute. Der Anrufer aus den USA nennt sich Frank und fragt, ob ein Bild von Barbari vermisst werde.

US-Soldaten griffen zu

Tatsächlich fehlt im Schlossmuseum ein solches Gemälde. Um es vor Kriegsschäden zu schützen, war es 1943 ins Schloss Schwarzenburg im Thüringer Wald ausgelagert worden. 13 handliche Bilder, von Dürer bis Tischbein, griffen sich amerikanische Soldaten im Juni 1945 als Andenken – offenbar nicht ahnend, um welche Kunstschätze es sich dabei handelte. Nur so lässt sich der weitere Weg des Barbari-Gemäldes erklären. Über einen Pfarrer gelangt es 1972 zu einer Nonne. Die findet die Augen zu stechend, und überklebt das wertvolle Gemälde mit einem Poster. Zum Vorschein kommt der Jesuskopf erst wieder, als Möbelrestaurator Frank Vaccaro 1998 das Poster auswechseln soll. Er stöbert in einem Buch über italienische Malerei, findet die Abbildung eben jenes Christuskopfes – und wittert ein gutes Geschäft. Als der Amerikaner, der seinen Namen nicht nennen will, in Weimar anruft, notiert sich Rolf Bothe die Rufnummer. Bis zum nächsten Gespräch stattet die Polizei Bothes Telefon mit einem Tonband aus.

Ein naiver Amerikaner

Der Professor entlockt dem offenbar etwas naiven Amerikaner zahlreiche Details – etwa seinen Beruf und dass er einen weißen BMW fährt. Damit gelingt es dem FBI, den Täter aufzuspüren. „Die Agentin Bonnie Goldblatt bearbeitete den Fall. Bei Telefonaten mit ihr meldete ich mich mit: hier Clyde“, erinnert sich Bothe schmunzelnd.

Getarnt als Kunsthändlerin trifft sich Goldblatt mit dem damals 38-jährigen Restaurator, stellt das Bild sicher und verhaftet ihn. Fünf Jahre Gefängnis wegen Hehlerei drohen dem Mann. Das Museum in Weimar sieht jedoch von einer Anzeige ab und er kommt mit 125 Tagen Sozialarbeit davon. Ironie des Schicksals: „Bei einer Rückgabe hätten ihm fünf Prozent Finderlohn zugestanden. Bei einem Wert von etwa fünf Millionen Dollar wäre das deutlich mehr gewesen, als die geforderte Kaufsumme von 100 000 Dollar“, erzählt Bothe kopfschüttelnd.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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