HZ-Wahlforum: Gegensätzliche Ansichten bei Niederaulaer Bürgermeisterkandidaten

Knatsch um Kanäle

Schwarz auf weiß: Mehrfach bezogen sich die Zuhörer beim HZ-Forum zur Bürgermeisterwahl in Niederaula in ihren Fragen auf die Berichterstattung in der Hersfelder Zeitung, wie auf unserem Bild Lothar Deisenroth aus Hattenbach. Fotos: Tanja Herko

Niederaula. Darf und soll die Marktgemeinde Niederaula ihr umfangreiches Straßen- und Kanalsanierungsprogramm stoppen? Nicht nur zur zentralen Frage, von der der Bürgermeisterwahlkampf in den vergangenen Tagen dominiert wurde, haben Thomas Rohrbach und Sascha Bayer gegensätzliche Ansichten.

Kontrovers und engagiert diskutierten der Amtsinhaber und sein Herausforderer beim Wahlforum der Hersfelder Zeitung am Donnerstagabend im Saal des alten Forsthauses auch andere kommunalpolitische Themen. Mit Fragen zu den Gemeindefinanzen, demografischem Wandel, Gewerbeentwicklung oder interkommunaler Zusammenarbeit fühlte HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff den Bewerbern auf den Zahn.

Unterschiedliche Strategien verfolgen beide Kandidaten beispielsweise bei der Ansiedlung von Betrieben. Um weitere Unternehmen anzulocken, muss nach Ansicht des 38-Jährigen Herausforderers der Gewerbesteuerhebesatz gesenkt werden. Bayer will bei der Vermarktung zudem mit der Mittelstandsvereinigung kooperieren. „Wir hatten heute morgen ein Gespräch mit einem Ansiedlungswilligen. Nicht einmal wurde dabei nach dem Hebesatz gefragt“, entgegnete hingegen Amtsinhaber Rohrbach, der sich nach sechs Jahren um eine zweite Amtszeit bewirbt.

Ausschlaggebend sei vielmehr die zentrale Lage mitten in Deutschland, wegen höherer Förderquoten habe das benachbarte Thüringen jedoch einen Standortvorteil.

Abweichende Zahlen nannten Bayer und Rohrbach auch zur aktuellen Verschuldung der Marktgemeinde. Diese gab Rohrbach mit 13,4 Millionen Euro an und unterstrich, dass Niederaula nie auf Kassenkredite angewiesen war.

Bayer hingegen beklagte mangelnde Transparenz bei den Gemeindefinanzen und betonte, dass die von ihm prognostizierte Verschuldung von 30 Millionen Euro zum Jahresende sich auf öffentlich zugängliche Zahlen und Aussagen des amtierenden Rathauschefs stütze.

Emotionale Reaktionen

Für teils emotionale Reaktionen im Publikum sorgte erwartungsgemäß der Straßen- und Kanalbau. Dabei rieben sich die Kandidaten an Bayers Forderung, das Sanierungsprogramm zu stoppen und neu zu bewerten. Während sich der Burghauner durch ein Schreiben des hessischen Umweltministeriums und Auskünfte der CDU-Landtagsabgeordneten Lena Arnoldt darin bestätigt sah, die Darlehensverträge vorzeitig zu kündigen, wies Rohrbach das zurück.

„Sie dürfen nicht im Ministerium anfragen, sondern bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank“, so der Rathauschef. Der gegenüber habe die Gemeinde vertraglich auf vorzeitige Kündigung verzichtet. Bei Verstößen drohe ein Strafzins von 360 000 Euro. Dass die Gemeinde im Gegenzug aber durch die sogenannte Inliner-Sanierung Kosten sparen könne, gab Sascha Bayer zu bedenken.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare