Vor 60 Jahren: Niederaulaer Schüler wurden vom Bundespräsidenten in Bonn empfangen

Klassenfahrt zu Theodor Heuss

Niederaula. An einem sonnigen Tag im März im Jahre 1953 waren zwei junge Burschen aus Niederaula sehr aufgeregt. Georg Schrön und Kurt Diebel standen auf der Terrasse der Villa Hammerschmidt in Bonn. Fotoapparate klickten, Kameras surrten.

Vor ihnen: Theodor Heuss, der Bundespräsident. Die beiden stellten bei ihrer kurzen Begrüßungsrede ihre Heimat vor. Heuss schüttelte sowohl den beiden als auch den anderen Schülern der 8. Klasse der Niederaulaer Schule freudig die Hand. Der Besuch beim Staatsoberhaupt, eine Führung durch den Saal des Bundestages und des Bundesrates sowie die Teilnahme an einer Plenarsitzung – das waren die Höhepunkte einer Reise von Niederaulaer Schülern, die einen Sonderpreis in einem von der Bundesregierung ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatte: eine dreitägige Reise in die Bundeshauptstadt. Die Hersfelder Zeitung berichtet von diesem Ereignis damals in großer Aufmachung.

Festspiele eröffnet

Heuss wurde im Gespräch mit den Schülern noch genau an seinen Besuch in Bad Hersfeld erinnert. Wenige Monate zuvor hatte der Bundespräsident die Festspielsaison eröffnet. Die Kirchenruine in der Lullusstadt hatte ihm so gut gefallen, dass er sie später in einer ruhigen Minute sogar zeichnete. Einige Schüler aus Niederaula hatten die Präsidenten-Limousine im Stiftsbezirk gesehen – mit der Standarte der Bundesrepublik auf der Motorhaube. Die sollte Wochen später bei dem Preisausschreiben, zu dem Lehrer Otto Trebing die Schüler animiert hatte, eine Rolle spielen. Auch die Präsidentenstandarte musste gezeichnet werden.

Wie die aber genau aussah, hatte aber keiner mehr in Erinnerung. Auch Vorlagen waren rar. Die Schüler liefen sich die Hacken ab. Erst die Kreisverwaltung konnte ihnen weiterhelfen mit dem Adler auf goldnem Grund und dem dicken roten Rand. Detailgetreu malten die Schüler die Standarte, lösten die Fragen in dem Preisrätsel mit Feuereifer. Weil die Arbeit der Bonner Jury gut gefiel, vergab sie an die Niederaulaer einen Sonderpreis.

Freudige Kunde

Die Nachricht aus der Hauptstadt schlug wie ein Blitz in Niederaula ein. Trebing versammelte die Schüler sogar an einem Samstagnachmittag in der Schule, um ihnen die freudige Kunde zu überbringen.

Die Niederaulaer Klasse wurde über die Heimat hinaus bekannt. Sogar der Rundfunk besuchte eine Unterrichtsstunde un interviewte die Schüler. (wz)

Kommentare