200 Wahlshäuser diskutierten am Dienstagabend mit Polizei und Justiz

„Kinder wollen nicht raus“

Ein entlassener Straftäter sorgt für Unruhe im Dorf: Angespannt, aber dennoch ruhig formulierten die Wahlshäuser am Dienstagabend ihre Sorgen und Fragen an Polizei und Justiz. Fotos: Grede 

Oberaula. Es war ein bedachter Protest: 200 Wahlhäuser formulierten am Dienstagabend im Dorfgmeinschaftshaus in Wahlshausen ihre Sorgen und Ängste. Seit Juni lebt in ihrem Dorf ein aus der forensischen Psychiatrie entlassener Sexualstraftäter in unmittelbarer Nähe des Spielplatzes und des Jugendraumes. Es informierten der Präsident des Landgerichts Marburg, Dr. Christoph Ullrich, der Leiter der Kripo in Homberg, Achim Kaiser, und Polizeisprecher Reinhard Giesa. Der Dekan des Kirchenkreises Ziegenhain, Christian Wachter, moderierte die Veranstaltung.

Das Grundrecht nach Freiheit eines Sexualstraftäters und dem gegenüber das Sicherheitsbedürfnis der Wahlshäuser: Angesichts des anscheinend noch erheblichen Gefährdungspotenzials des Mannes stelle sich da schon die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, sagte der Wahlhäuser Roland Hühn.

Landgerichtspräsident Ullrich machte klar, dass angesichts der Urteile zweier gerichtlicher Instanzen, der Mann nicht in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht werden könne. „Durch unsere erhöhte Präsenz wird dem Mann deutlich, dass er im Fokus der Polizei steht“, sagte Polizeisprecher Reinhard Giesa. Eine lückenlose Überwachung ist allerdings nicht möglich: Denn die Polizei sei nicht dabei, wenn der Mann zum Beispiel zu seinen Terminen mit dem Schulbus fahre, sorgt sich Jutta Neumann. Die Krankenschwester wies auch auf die Wirkung des triebdämpfenden Medikamentes im Zusammenhang mit Alkoholgenuss hin.

Aufruf zu Aufmärschen

Es wurde erwähnt, dass der Mann, dem der Genuss von Alkohol untersagt ist, möglicherweise dennoch mit seinem Nachbarn in einer Hütte Alkohol getrunken haben könnte.

Über ein soziales Netzwerk war aus der rechten Szene für Dienstagabend zu Protestaufmärschen in Wahlshausen aufgerufen worden. Laut Polizeisprecher blieb die Lage allerdings ruhig. Drei Außenstehende hätten versucht, sich Zugang zu der geschlossenen Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus zu verschaffen. Die Polizei sei vorbereitet und mit „angemessenem Kräfteeinsatz vor Ort gewesen“. Der Einsatz habe auch den Schutz des 46-jährigen Mannes beinhaltet, erklärte Giesa. 2. Text

Von Sylke Grede

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