Bildung einer Bürgerinitiative ist wahrscheinlich

„Keine Stromtrasse über Kirchheim“

Dass die Bürgerversammlung zum Thema Suedlink Stromtrasse am Donnerstagabend im Kirchheimer Bürgerhaus nur mäßig besucht war, lag möglicherweise auch an dem Unwetter, das kurz zuvor über der Autobahngemeinde gewütet hatte. Foto: Löwenberger

Kirchheim. „Wir wollen die Suedlink Stromtrasse nicht in Kirchheim. Wenn wir sie aber nicht verhindern können, dann soll sie da verlaufen, wo wir es wollen.“ Das war der Tenor in der sachlich geführten Bürgerversammlung im Kirchheimer Bürgerhaus am Donnerstagabend.

Eine Stunde lang informierte Bürgermeister Manfred Koch über die geplante Trasse und den aktuellen Stand der Dinge. Koch bemängelte dabei das mangelhafte Informationsverhalten des Trassenbetreibers Tennet.

„Ich habe bisher auf keine einzige Frage eine befriedigende Antwort bekommen“, sagte Koch. Der von Tennet vorgeschlagene ein Kilometer breite Korridor sei besonders zwischen den Ortsteilen Goßmannsrode und Reckerode und im Bereich des Biedebachtals nicht zu realisieren, ohne zu nahe an Bebauungsgebiete zu kommen oder diese gar zu überspannen.

Kammmolche wichtiger?

Um aber die 380 kV Leitung nicht einfach nur abzulehnen, hat Koch eine von Gemeindevorstand und Gemeindevertretung mitgetragene Alternative für die Gemarkung Kirchheim vorgeschlagen, die weit genug um bebaute Gebiete herum führt. Zu Verwirrung führte dabei, dass er seine Kollegen aus Neuenstein und Niederaula um Stellungnahme zu den „Übergabepunkten“ an den Gemarkungsgrenzen bat. Besonders über die so genannte Bündelung, die Naturschutz und Landschaftspflege fordern, und wonach die Trasse entlang vorhandener Infrastrukturen führen soll, echauffierte sich Koch.

„Wir haben die Autobahn mit immer mehr Lärm und Feinstaub, wir haben die Schnellbahntrasse, und wir haben die Stromleitungen der Bundesbahn, da kann man uns jetzt auch noch den Starkstrom aufdrücken.“ Der Lebensraum der Menschen und deren Wohnqualität werde dabei viel zu wenig beachtet. „Sind Kammmolche und Bäume wirklich wichtiger als Menschen?“ fragte der Bürgermeister in der Versammlung provokativ.

Die Bildung einer Bürgerinitiative schlug Peter Abel in der folgenden Diskussion vor. Ehefrau Karin war sofort dabei, ebenso wie Wolfgang Curth, der das Ganze gleich auf die Basis eines gemeinnützigen Vereins stellen wollte. Die passende Satzung habe er bereits.

Man einigte sich, Cornelia Tippelt, die in der Vergangenheit bereits zahlreiche Unterschriften gesammelt hatte, derzeit aber in Urlaub weilt, nicht zu übergehen und Kontakt mit den Nachbargemeinden Neuenstein und Niederaula aufzunehmen, um eventuell gemeinsam stärker und effektiver aktiv werden zu können. Besonders wichtig war allen Teilnehmern, dass es bei der gemeinsamen Informationsveranstaltung der drei Kommunen am Dienstag, 22. Juli, ab 19 Uhr die Großsporthalle der Gesamtschule Niederaula brechend voll wird.

„Da werden Vertreter von Tennet und von der Bundesnetzagentur vor Ort sein, und die dürfen uns keine Frage schuldig bleiben“, forderten Koch und der Gastgeber, Reiner Weppler, Vorsitzender der Gemeindevertretung, zum Besuch der Veranstaltung auf.

Einen passenden Fragenkatalog gibt es dazu schon mal auf der Internetseite der Gemeinde: www.kirchheim.de

Von Bernd Löwenberger

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