Brauchtum hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert und neuen Bedingungen angepasst

Hutzelfeuer ohne Hutzeln

Starken Anklang fand das große Feuer vom Weihnachtsbaumverbrennen in Gershausen, das von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren Gershausen und Kirchheim ausgerichtet wurde. Foto: Miehe

Gershausen: Dass Bräuche stetig im Wandel sind, den jeweiligen Lebensverhältnissen angepasst oder gar neu aufgenommen werden, zeigt sich bei den vielerorts so genannten „Hutzelfeuern“.

Wohl in Anlehnung an die Hutzelfeuer in der Rhön hat man den Begriff und teilweise auch die einhergehenden Bräuche zunächst im Eiterfelder und Schenklengsfelder Raum übernommen. So ist es bereits seit den 1920er Jahren unter anderem für Schenklengsfeld und Dinkelrode belegt.

Wurde und wird doch in der Rhön der Sonntag nach Fastnacht als „Hutzelsonntag“ bezeichnet, weil man an diesem Tag nach Brauch neben Kräppeln auch Hutzeln (gedörrte Birnen) gegessen hat und die Kinder diese mit speziellem Brauchtum mit Heischeversen auch gesammelt haben. Abends haben die älteren Kinder dann Feuer gemacht und dabei die Hutzeln, Kräppel und auch Bratäpfel verzehrt. Für das Feuer sammelten die Kinder vorher im Wald Holzknüppel und Reisig oder trugen auch aus dem Dorf Obstbaumschnitt und allerlei brennbaren Unrat zusammen.

Brauchtum verändert

Auch in der Rhön hat man im Laufe der Jahrzehnte das einhergehende Brauchtum verändert und von Dorf zu Dorf mit Varianten oder gar auf ganz andere Weise ausgeführt. Während in einigen Gemeinden die Kinder das Heischen am Sonntag nach Fastnacht bereits vor dem Zweiten Weltkrieg aufgaben, wurde dies in anderen Dörfern länger beibehalten, so unter anderem in Rasdorf bis zur Gegenwart.

Süßigkeiten oder Geldspenden

Nach dem Zweiten Weltkrieg spendete man den Kindern aber keine Hutzeln und Kräppel mehr, sondern gab und gibt diesen Süßigkeiten oder kleine Geldspenden. Das Entzünden eines Hutzelfeuers ist jedoch allerorten bis zur Gegenwart beibehalten worden. Wenn man am Sonntag nach Fastnacht durch die Rhön fährt, dann kann man den Feuerschein der Hutzelfeuer auf vielen Hügeln sehen, ein beeindruckendes Erlebnis.

In den letzten Jahrzehnten hat aber selbst das Hutzelfeuer einen Wandel durchgemacht und wird vielerorts nun auch von Vereinen, insbesondere von der Feuerwehr, ausgerichtet. Und hier werden nun auch vor allem die Weihnachtsbäume verbrannt – vor dem Zweiten Weltkrieg konnten sich bei weitem nicht alle Familien einen solchen leisten, und wenn sie einen im Wald geholt hatten, verbrannten sie diesen dann im häuslichen Herd.

Das Hutzelfeuer wurde und wird aber bis zur Gegenwart in der Rhön in der Regel am Hutzelsonntag angezündet. Auch im Schenklengsfelder Raum hielt und hält man an diesem Termin fest und behielt auch den Begriff Hutzelfeuer bei, wenn das Feuer in den letzten Jahrzehnten auch mit den eingesammelten Weihnachtsbäumen bestückt und von der Feuerwehr ausgerichtet wird.

Von Brunhilde Miehe

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