Das Burg-Herzberg-Festival findet auf den Koppeln von Pferdezüchter Walter Robert statt

Hufgetrappel statt Hippies

Der Hippie-Bauer: Auf der Junghengst-Koppel von Pferdezüchter Walter Robert findet das Burg-Herzberg-Festival statt. Links im Hintergrund der Hof Huhnstadt, rechts davon steht während des Festivals die Hauptbühne. Foto: Eisenberg

Breitenbach/H. Wenn die Hippies kommen, müssen die Pferde weichen. Zum Burg-Herzberg-Festival am ersten Augustwochenende wollen wieder mehrere tausend Besucher aus Europa auf den Wiesen oberhalb des Breitenbacher Hofes Huhnstadt friedlich miteinander feiern.

Wo dann Fruchtweinstände, Massagezelt und Hauptbühne aufgebaut sind, döst wenige Tage vor Beginn noch eine Herde ein- und zweijähriger Junghengste im Morgennebel. Weder Trommel- noch Sitarklänge der Hippies, nur das Trappeln von Hufen durchbricht die Stille.

Jungpferdeaufzucht

„Bis Montag bleiben die Pferde hier, am Dienstag rücken schon die Besucher an“, erzählt Pferdezüchter Walter Robert. Schon vorher mulcht der Landwirt die ersten Flächen. Auch die Aufbautrupps sind dann längst im Einsatz. Seit 1997 findet das Musikfest nicht mehr an der Burg Herzberg, sondern auf den Wiesen am Hof Huhnstadt statt.

1964 hat die Familie das ehemalige Gut der Freiherren von Dörnberg gekauft, 1976 begann Walter Robert mit der Pferdezucht. Etwa 200 Fohlen haben hier seither das Licht der Welt erblickt.

In den vergangenen Jahren hat Walter Robert den Haupterwerbsbetrieb, den er gemeinsam mit seiner Frau Daniela und einer Hilfskraft führt, umstrukturiert. Schwerpunkt ist jetzt die Aufzucht von Jungpferden, die auch von anderen Züchtern in seine Obhut gegeben werden. Ausbildung und Beritt junger Pferde sowie Reitunterricht für Turnier- und Freizeitreiter gehören ebenfalls zum Angebot.

Jeweils zwischen 60 und 70 Pferde stehen auf den Koppeln und in den Ställen. Zum Mutterglück kommen die Stuten auf Hof Huhnstadt allerdings nur noch mittels künstlicher Besamung. Der sogenannte Natursprung, also die direkte Paarung mit einem Deckhengst, sei unwirtschaftlich geworden.

Seit der Verband Hessischer Pferdezüchter im Hannoveraner Verband aufgegangen ist, verkauft Robert seine teils preisgekrönten Warmblüter auf Auktionen im niedersächsischen Verden. Zum Einkommen des Betriebes, daraus macht der 54-Jährige keinen Hehl, trage auch die Vermietung des Festivalgeländes bei. Während der Veranstaltung tauche er in eine andere Welt ein. „Für die Stammgäste bin ich nur der Hippie-Bauer“, erzählt Robert. Seit im Jahr 2012 Autos und Campingbusse mit dem Traktor aus dem Schlamm gezogen werden mussten, sei er bei nahezu allen Herzberg-Fans bekannt.

Abseits des Trubels

Die Pferde verbringen die Festivaltage abseits des Trubels auf einer Koppel hinter dem Hof. Wenn die Zelte abgebaut, die Wiesen gereinigt und die Fahrspuren eingesät sind, haben die Tiere das Gelände wieder für sich alleine. Bis 2015 die Hippies kommen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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