Dorfchronik zum 700-jährigen Bestehen Hatterodes erscheint zum Festwochenende

Historie auf 576 Seiten

Dorfleben früher: Zwei Landwirte sind mit Kuhgespann und geschulterten Gerätschaften auf der ziemlich schlammigen Dorfstraße von Hatterode unterwegs zur Feldarbeit. Das Foto entstand um 1938 und ist, neben vielen weiteren Aufnahmen, in der Dorfchronik zur 700-Jahrfeier in Hatterode zu sehen. Foto: nh

Hatterode. Wohl kaum ein Hatteröder weiß wohl heute noch, dass sich um 1790 die Gerichtsherren von Dörnberg mit dem Verzapfen von schlechtem Bier befassen mussten. Mancher erinnert sich sicher dass nahe des heutigen Breitenbacher Ortsteils vor der Gebietsreform die Landkreise Hersfeld, Ziegenhain, Alsfeld und Lauterbach aneinanderstießen. Und auch die Proteste gegen den geplanten Bau einer Giftmüllverbrennungsanlage an der Kreisgrenze im Jahr 1986 sind den älteren Einwohnern noch im Gedächtnis.

Diese und unzählige andere Ereignisse und Begebenheiten haben Ellen Wilker und Karlheinz Reuber in der Dorfchronik zusammengetragen, die anlässlich der 700-Jahrfeier erscheint. Wenn das Buch dieser Tage in den Druck geht, liegen hinter den Autoren zwei Jahre intensiver Recherche. Ellen Wilker hatte sich bereits mit der Hatteröder Schulchronik befasst, Reuber Beiträge der Geschichts-Beilage Mein Heimatland zur Ortsgeschichte gesichtet. „Dann haben wir angefangen zu graben“, scherzt Karlheinz Reuber. Bei einem Besuch im Marburger Staatsarchiv haben die Autoren „alles, was uns irgendwie interessant vorkam auf CD brennen lassen“.

Schriften entziffern

Die alten Schriften mussten entziffert zunächst in lesbare Form übertragen werden. Zudem wurden die älteren Einwohner des Ortes befragt. Dabei sei man mit offenen Armen empfangen und mit zahlreichen Fotos, Zeitungsausschnitten und anderen Dokumenten versorgt worden. Einen Umfang von 250 Seiten hatten sich die Bankkauffrau und der pensionierte Lehrer vorgenommen. „Als wir bei 180 Seiten angelangt waren, hatten wir das Gefühl, nicht genügend Material für den Rest zu haben“, erinnert sich Reuber. Tatsächlich wurde das gesteckte Ziel allerdings deutlich überschritten: 576 Seiten umfasst das fertige Buch. Die Autoren präsentieren darin nicht nur die geschichtlichen Fakten von der ersten Erwähnung in einer Tauschurkunde zwischen dem Frauenkloster Immichenhain und der Johanniterkommende in Grebenau im Jahr 1315 bis heute. Sie beleuchten auch das das dörfliche Alltagsleben in allen erdenklichen Facetten, dokumentieren die Bau- und Bevölkerungsentwicklung, Firmen und Vereine und gehen auch auf Begebenheiten am Rande, Feste oder die Freizeitgestaltung der Jugend ein.

Alte Fotos

Den besonderen Reiz machen die abgebildeten Schwarz-Weiß-Fotos aus. Auf Grußworte der kommunalen Amtsträger haben die Macher übrigens bewusst verzichtet. Die Einleitung ist neben den Autoren dem letzten Bürgermeister der selbständigen Gemeinde Hatterode, Karl Becker, vorbehalten. Die Dorfchronik wird während des stehenden Festzuges am Sonntag, 7. Juni, im Bürgerhaus zum Preis von 22 Euro verkauft. Vorbestellte Exemplare können bereits nach dem Festgottesdienst am Donnerstag, 4. Juni (Beginn: 11 Uhr) im Bürgerhaus abgeholt werden. Vorbestellungen per E-Mail sind unter chronik@700-jahre-hatterode.de möglich.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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