Rudolf Wehners Hanomag fährt 100 Kilometer in der Stunde

Hingucker auf dem Highway

Renn-Trecker: 100 Kilometer in der Stunde schafft der Hanomag Robust 800-6 von Rudolf Wehner (rechts) der hier von den Schlepperfreunden Jossatal Bodo Schäfer und Heinz Dietz (von links) begutachtet wurde. Foto: Löwenberger

Niederjossa. Rudolf Wehner aus Uttrichshausen besucht gern Traktortreffen, auch solche, die weit entfernt sind. Was ihn dabei nervte war die oft lange Anfahrtszeit im „Schneckentempo“. Den Trecker zu trailern, also auf einen Anhänger zu laden, kam für ihn nicht in Frage, also musste der Traktor schneller werden.

Irgendwo in einer holländischen Scheune fand er einen total vergammelten Hanomag „Robust 800-6“. Ein ganz seltenes Exemplar, aber mit einem sehr langen Radstand, und der war für Wehners Vorhaben unerlässlich. Über Jahre wurde das Stück aufwändig restauriert, die meisten Karosserieteile neu gefertigt. Der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker veränderte im Getriebe die Übersetzungen, baute an beiden Achsen hydraulische Bremsen ein und veränderte die Aufhängung der Vorderachse.

Elf Liter Hubraum

Nachdem alles fertig war erreichte die knapp fünf Tonnen schwere Straßenzugmaschine mit elf Litern Hubraum, sechs Zylindern und 110 PS 100 Kilometer in der Stunde.

Zwei Jahre und jede Menge Nerven und Arbeit kostete es noch einmal, bis der TÜV seinen Segen gab und der rasende Traktor eine Straßenzulassung bekam. Das ist zumindest deutschlandweit einmalig und wird wohl auch so bleiben. Wehner glaubt zu wissen, dass auf höchster TÜV-Ebene entschieden wurde, eine solche Genehmigung nicht noch einmal zu erteilen. Für einen 130 km/h schnellen Steyer-Traktor, den der Bastler noch zu Hause auf dem Hof stehen hat, gibt es jedenfalls keine Chance auf Zulassung.

Aber auch so ist Wehner zufrieden, wenn er mit dem Renntraktor und Wohnwagen hinten dran in den Urlaub fährt, etwa in die Dolomiten oder den Skagerak oder zu seiner Tochter nach Kiel. Etwa fünf Stunden braucht er für die Fahrt dorthin und muss, wenn alles gut läuft zwischen Fulda und Kiel nur ein einziges Mal schalten – in den Kasseler Bergen. Oft wird er allerdings angehalten, nicht von den Ordnungshütern, sondern von neugierigen und überraschten Autofahrern, die nicht glauben können, was sie da auf der Autobahn sehen.

„Da fällt auch schon mal ein Handy oder ein Fotoapparat aus dem Fenster, wenn sie im Vorbeifahren versuchen, mich zu fotografieren oder zu filmen“, weiß der schnelle Traktorist.

Von Bernd Löwenberger

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