Landgericht: 49-Jähriger muss über siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis

Haft für Messerattacke

Marburg/Oberaula. Wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung ist ein 49-jähriger Mann aus Oberaula vor dem Marburger Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Der Mann stand vor Gericht, weil er in der Silvesternacht in ein Wohnhaus in Oberaula eingestiegen war. Dort hatte er auf der Suche nach Bargeld den Hausbewohner mit einem Küchenmesser bedroht und ihm Schnitt- und Stichwunden zugefügt.

Während des ersten Hauptverhandlungstermins (wir berichteten) hatten sowohl der Angeklagte als auch das Opfer den Tatvorgang aus ihrer Sicht geschildert. Zur Vorgeschichte des Angeklagten und seiner psychischen Verfassung war auch ein Sachverständiger angehört worden.

Die Beweisaufnahme endete am zweiten Hauptverhandlungstag mit dem Bericht eines Arztes des Gießener Instituts für Rechtsmedizin, der sowohl den Angeklagten als auch den Zeugen untersucht hatte.

Angriff abgewehrt

Laut Aussage des Arztes war der Hausbewohner unter anderem an Schläfe, Schulter und Brust verletzt gewesen. Verletzungen der Hände wertete er als Abwehrwunden. Aufgrund der Schnittverletzung an der linken Hand sei ein chirurgischer Eingriff erforderlich gewesen. Auch sei der Mann rechts neben der Lendenwirbelsäule verletzt gewesen. Ein fünf Zentimeter tiefer Stich in Richtung Körpermitte weise keine Knochenverletzung auf, sei ihm aber mit einer wohl deutlichen Bewegung zugefügt worden. Nach dem Bericht des Arztes hatte der Angeklagte Kratzer an den Beinen und klagte über Schmerzen und eine Schwellung im rechten Unterarm.

Sein Mandant habe bereits zu einem frühen Zeitpunkt ein Geständnis abgelegt, sagte der Verteidiger des 49-jährigen Oberaulaers. Der Anwalt stellte in Frage, dass es sich um versuchten Totschlag gehandelt habe und verwies dazu auf das ärztliche Gutachtens über die Verletzungen des Opfers. Die Staatsanwältin hatte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von neun Jahren gefordert. Sie wertete die Stichwunde, die der Angeklagte dem Hausbewohner im Rücken zugefügt hatte, als vorsätzliches Handeln. Der 49-Jährige habe die Verletzung innerer Organe in Kauf genommen.

Ähnlich äußerte sich der Richter bei der Urteilsbegründung. Mit dem Messer habe der vorbestrafte Angeklagte seiner Forderung nach Bargeld Nachdruck verliehen.

Zwar sei dem 49-Jährigen keine Tötungsabsicht nachzuweisen, jedoch habe er willentlich mit bedingtem Vorsatz gehandelt und somit in Kauf genommen, dem Hausbewohner schwere innere Verletzungen zuzufügen.

Von Kerstin Heist

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