In Sichtweite von Breitenbach und Niederaula entstehen zwölf Windkraftanlagen

Großbaustelle im Wald

Ring auf Ring: Aus Betonfertigteilen – Ringen oder Halbschalen – werden die Türme der Windräder im Schlitzer Wald zusammengesetzt. Auf dem Montagekreuz (links) werden die Halbschalen zu den größeren Ringen zusammengefügt, bevor sie ein Kran in ihre Position hebt. Alle Fotos: Eisenberg

Rimbach/Breitenbach/H. Wenn Thomas Rumpf, Projektleiter bei Abo Wind, über den Windpark Schlitz-Berngerode spricht, dann fällt gleich mehrfach das Wort „sportlich“.

Im Privatwald der Salm Boscor Waldgesellschaft lässt die Wiesbadener Firma derzeit auf dem Territorium der Stadt Schlitz im Vogelsbergkreis zwölf Windkraftanlagen errichten. Die Baustelle grenzt direkt an Breitenbach sowie Niederaula. Das Vorhaben war umstritten. In einer Stellungnahme hatten sich etwa die Breitenbacher Gemeindevertreter gegen das Projekt ausgesprochen, weil sie sich um den Natur- und Landschaftsschutz sowie die touristischen Entwicklungsmöglichkeiten der Herzberggemeinde sorgten. Kaum zwei Tage blieben zum Fällen der Bäume zwischen der Genehmigung am 27. Februar und dem Beginn der Brutzeit. Bis zum Jahresende sollen alle 12 Anlagen in Betrieb sein. „Auf der Autobahn wird viel gebaut. Da ist es schwierig, die Genehmigungen für die Schwertransporte zu bekommen“, erzählt Rumpf, während er seinen Geländewagen über die Waldwege steuert. Die besondere Topografie des Schlitzer Waldes mache das Projekt ebenfalls „sportlich“. Für den Materialtransport mussten die Waldwege verbreitert und Rückegassen zu tragfähigen Wegen ausgebaut werden. „Wir haben teilweise bis zu 18 Prozent Steigung“, verdeutlicht Rumpf. Im Gegensatz zu anderen Windparks werden die Bauteile im Schlitzer Wald aus diesem Grund nicht direkt bis an den jeweiligen Bauplatz geliefert. Auf einem ehemaligen Firmengelände am Ortsrand des Stadtteils Rimbach wurde ein Lagerplatz eingerichtet, auf dem die Segmente umgeladen werden. Den Transport zu den einzelnen Bauplätzen übernimmt ein örtlicher Fuhrunternehmer, der vor seine Lastzüge einen ehemaligen Panzerschlepper aus Armeebeständen vorspannt. Diese Staffelung erweise sich als Vorteil: „Bei der Montage kann der Kran viel effektiver eingesetzt werden, weil alle Teile schon bereitstehen“, erklärt Rumpf.

Wie auch auf dem Bad Hersfelder Wehneberg werden die von General Electric gefertigten Windräder als Hybridtürme errichtet: Auf einen 80 Meter hohen Unterbau aus Betonringen wird ein Stahlturm mit dem Maschinenhaus aufgesetzt. Während die ersten der zwölf Anlagen bereits der Vollendung entgegenstreben, sind von anderen bisher nicht viel mehr als die Fundamente zu sehen. Stück für Stück sollen alle Mühlen noch vor Wintereinbruch ans Netz gehen. Thomas Rumpf hofft deshalb, dass der Schneefall nicht allzu früh einsetzt. Denn das würde die Schwertransporte und damit auch den sportlichen Zeitplan ins Schleudern bringen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Windpark-Baustelle Schlitz-Berngerode

Windpark-Baustelle Schlitz-Berngerode

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