Rasender Stillstand: Kabarettist gastiert mit seinem Programm im Stern in Oberaula

Giesekings bissige Bilanz

Rasender Stillstand in Deutschland: Bernd Gieseking zog im Hotel zum Stern in Oberaula eine bissige Jahresbilanz. Foto: Löwenberger

Oberaula. Zum vierten Mal präsentierte der Kabarettist und Buchautor Bernd Gieseking am Sonntagabend im Oberaulaer Hotel „Zum Stern“ seinen bissig-humorvollen Jahresrückblick „Ab dafür“. Eingeladen zu dem Abend hatte die Kulturinitiative Kunst und Dunst Schwalm-Knüll.

„Es war rasender Stillstand. Es war Hektik wie selten und trotzdem ging es nirgends voran“, charakterisierte der gebürtige Westfale das ablaufende Jahr und hatte dafür auch einige Beweise. Griechenland ist immer noch nicht pleite, der Berliner Flughafen wird auch zum nächsten Eröffnungstermin nicht aufmachen könne, gleiches gilt für die Elbphilharmonie in Hamburg, Rösler ist mit seiner FDP unter drei Prozent, Vettel wurde wieder Weltmeister, Dortmund wurde wieder Deutscher Meister und die Spanier Europameister.

Jeder kriegt sein Fett weg

Immerhin, die beiden wichtigsten Ereignisse des Jahres benannte Gieseking dann doch noch. „Weltweit: die Präsidentenwahl in Amerika, deutschlandweit: Wetten, dass hat einen neuen Moderator.“

Natürlich bekommen sie wieder ihr Fett weg, die Promis der Welt, der abgewählte Sarkozy der Unter-drei-Prozent-Rösler, die Kanzlerin, der ehrenbesoldete Wulff, die Schröder-Köpf, der gedopte Lance Armstrong und noch so mancher mehr. Und die größte Überraschung des Jahres? „Steinbrück hält keine Reden mehr. ‘S Konto is’ voll.“

Wenn Gieseking nicht mehr so recht weiter weiß in der Politik, telefoniert er mit einem Freund aus der ehemaligen DDR, mit „Joachim, Jo - Joachim Sauer, dem Mann von der Kanzlerin.“ Leider muss Jo die Gespräche meist vorzeitig abbrechen. Mutti mag das nicht, weil sie Angst hat, dass der Bernd mal was auf der Bühne davon erzählt, was der natürlich nie machen würde.

Rund eine Stunde dauert der erste Teil des Rückblicks mit vielen, teils versteckten Pointen und Bissigkeiten, aber auch zahlreichen ruhigen und nachdenklichen Passagen. Und bei all den lustigen Geschichten, den ungewöhnlichen Blickwinkeln und Schlussfolgerungen, steckt in allem viel Sinn, viel Hintergrund und noch mehr Wahrheit.

Im zweiten Teil des Abends stellt Gieseking mehr sein persönliches Jahr in den Vordergrund und macht dabei ordentlich Promotion für sein Buch, das er in diesem Jahr geschrieben und sich damit einen Lebenstraum erfüllt hat. „Nein, keins wie Wulff. Ich wollte ein Gutes schreiben“, pariert er den Einwurf einer Zuhörers.

Blumige Erzählungen

Im Wesentlichen berichtet er darin über eine Reise mit seinen Eltern nach Finnland. Mag zunächst wenig interessant erscheinen, aber deutlich agiler als im ersten Teil präsentiert der Künstler Einblicke in den ungewöhnlichen Humor der Westfalen und die Eigenheiten der Finnen.

Nochmal rund 45 Minuten dauern die blumigen Erzählungen auch aus anderen Bereichen des persönlichen Jahresrückblickes, ehe der Künstler unter heftigem Applaus der rund 90 Besucher nach einer Zulage und einem Dankeschön von Hotelchefin Elke Lepper die Bühne verlassen kann. Nachgefragt

Von Bernd Löwenberger

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