Staatssekretär besuchte Flüchtlingsunterkunft im Motel am Kirchheimer Dreieck

Gelobt und ermahnt

Rundgang im Motel: Staatssekretär Wolfgang Dippel (dritter von links) besichtigte gemeinsam mit (von links) Pfarrerin Melanie Hetzer, der Leiterin der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge Elke Weppler, Bürgermeister Manfred Koch, Rechtsanwalt Frank Jansen, dem Kirchheimer CDU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Curth, Diana van der Aa, Geschäftsführer Frits van der Aa sowie Daniel van Gorp vom Motel. Mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte zeigen wir die Flüchtlinge nicht. Foto: Eisenberg

Kirchheim. Wo früher Geschäftsreisende ihren Kaffee schlürften und Fernfahrer ihre Gulaschsuppe löffelten, ertönt jetzt Kindergeschrei. Nachdem die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung Gießen Flüchtlinge im Kirchheimer Motelcenter untergebracht hat, ist auch das zugehörige Restaurant geschlossen.

Es dient den rund 300 Personen, die hier aktuell untergebracht sind, als Aufenthaltsraum. Teils neugierig, teils skeptisch beäugen die Männer, Frauen und Kinder, die sich hier zur Mittagszeit eingefunden haben, die Besucher. Dr. Wolfgang Dippel (CDU), Staatssekretär im hessischen Sozialministerium, besichtigt die Anlage. Pressevertreter sind zu seinem Besuch eigentlich nicht eingeladen. „Aber wir haben nichts zu verbergen“, meint der Staatssekretär. Schnellen Schrittes geht es, vorbei an fußballspielenden Kindern, zu einem Zimmer – allerdings keines, das aktuell von Flüchtlingen bewohnt wird. „Ich will die Leute nicht stören“, erklärt Dippel.

Eigene Nasszelle

Ein Doppelbett, ein Etagenbett, ein Fernseher und eine eigene Nasszelle: „Die Unterbringung ist in Ordnung“, befindet der Staatssekretär. „Wichtig ist, dass Sie die Hygienevorschriften einhalten“, ermahnt er die Motel-Betreiber beim Blick in die Großküche. Gesundheitsvorsorge, Beratung und Betreuung, Sicherheit und Kinderbetreuung seien sichergestellt, dazu gebe es ein großes Außengelände. „Die Flüchtlinge sind hier menschenwürdig untergebracht“, lautet Dippels Fazit.

Die Gießener Erstaufnahmeeinrichtung sei auf Quartiere wie das Kirchheimer Motel angewiesen, betont auch Dienststellenleiterin Elke Weppler. Bisher habe es bei der Unterbringung der Migranten, die unter anderem aus Eritrea, Syrien und Somalia kommen und in der Regel drei Wochen in Kirchheim bleiben, keine Zwischenfälle gegeben. Der Vertrag mit dem Motel laufe noch bis Februar und habe eine Verlängerungsoption bis Mai. Wie es danach weitergehe, sei unklar.

Die Bedenken von Bürgermeister Manfred Koch sind hingegen noch nicht zerstreut: Im Brandfall habe die örtliche Feuerwehr weder die nötige Ortskenntnis, noch die Telefonnummer eines Ansprechpartners vor Ort.

Dem widersprechen Daniel van Gorp vom Motel und dessen Anwalt Frank Jansen: Das Motel sei 24 Stunden anrufbar, jeden Tag seien vier Dolmetscher vor Ort. Die Telefonnummern müssten bei der Gemeinde vorliegen.

„Dann tauschen Sie die Nummern doch am besten gleich hier aus“, drängt Dippel. Auch den Vorschlag des Bürgermeisters, eine Feuerwehrübung im Motel zu organisieren, befürwortet der Staatssekretär. „Wann wird das sein, noch in diesem Jahr?“. Die Frage bleibt unbeantwortet.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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