Urlaubsanbieter bezeichnet Bettensteuer als Kurtaxe – Parlament: Ansehen in Gefahr

Mit Gegenleistung oder ohne?

Ferien im Märchenland: In seiner Werbung für einen Aufenthalt im Kirchheimer Hotel Seeblick sprach ein überregionaler Reiseanbieter von Kurtaxe, tatsächlich müssen die Urlauber jedoch eine Bettensteuer entrichten. Durch die falsche Formulierung sahen die Gemeindevertreter den Ruf der Gemeinde in Gefahr. Foto: Eisenberg

Kirchheim. Ein einzelnes Wort in einer Werbeanzeige des Urlaubsanbieters Reisenaktuell.com hat in der Kirchheimer Gemeindevertretersitzung für Wirbel gesorgt. Nach Ansicht der Gemeindevertreter betreibt das Unternehmen irreführende Werbung und schädigt damit auch das Ansehen der Autobahngemeinde.

Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung haben die Gemeindevertreter deshalb auf Antrag der CDU den Gemeindevorstand aufgefordert, alle erforderlichen Schritte gegen die Veröffentlichungen in ihrer jetzigen Form einzuleiten. Per Dringlichkeitsantrag hatten die Christdemokraten das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung setzen lassen.

In einer bundesweit verteilten Fernsehzeitung und im Internet hatte der Reiseanbieter aus Koblenz Urlaub im „Hotel Seeblick in der märchenumwobenen Gemeinde Kirchheim“ beworben. In der Anzeige findet sich der Hinweis, dass bei dem Aufenthalt eine Kurtaxe in Höhe von 1,10 Euro pro Person und Tag fällig werde. Genau in dieser Formulierung sah der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Curth die Irreführung der Urlauber. Denn mit einer Kurtaxe seien immer auch entsprechende Gegenleistungen, etwa die Nutzung der Kureinrichtungen oder sonstige Vergünstigungen, verbunden. Zwar müssen die Urlauber auch in Kirchheim eine Abgabe entrichten, dabei handele es sich aber um keine Kurtaxe, sondern eine Bettensteuer. Und daran seien keine direkten Gegenleistungen gekoppelt, so die Argumentation der CDU. Durch die unzutreffende Formulierung in der Werbeanzeige würden also falsche Erwartungen bei den Besuchern geweckt, die sich dann vor Ort nicht erfüllten. Und das schädige den Ruf der Gemeinde, argumentieren die Christdemokraten in dem jetzt beschlossenen Antrag.

Von Wirbel überrascht

Bürgermeister Manfred Koch (SPD) äußerte die Hoffnung, dass sich die Sache mit einem einfachen Anruf bei dem Reiseunternehmen klären lasse. Bei der Firma Reisenaktuell.com zeigte man sich auf Anfrage unserer Zeitung überrascht, dass die Annonce bei den Gemeindepolitikern offenbar für solchen Wirbel gesorgt hatte. Eine Stellungnahme kündigte das Unternehmen für den heutigen Montag an.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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