Familie Eydt stellt seit fünf Generationen Gastronomen in Kirchheim

Vom Gasthof zum Hotel

Hans Heinrich, genannt „Henner“, und Sohn Ludwig „Lutz“ Eydt (von links) blättern im Familienalbum. Die Gastronomie Eydt blickt auf eine 150-jährige Tradition zurück. Foto: Miehe

Kirchheim. „Momentchen, ich komme gleich!“ Diese häufig gebrauchte Floskel brachte Ludwig Eydt den Spitznamen „Momentchen“ ein. Ludwig Eydt wurde 1862 als Sohn der Eheleute Justus und Katharina Eydt geboren, die 1858 in Kirchheim eine Gastwirtschaft eröffnet hatten. Er machte zunächst in Frankfurt eine Ausbildung als Kellner und diente einige Jahre als Soldat. 1888, im Dreikaiserjahr, übernahm er schließlich mit seiner Ehefrau Sophie neben einer kleinen Landwirtschaft auch die elterliche Gastwirtschaft.

Chancen der Zeit genutzt

Durch den Bau der Eisenbahnstrecke Bad Hersfeld-Treysa bekam die Gastwirtschaft, mittlerweile „Gasthaus zum Bahnhof Ludwig Eydt“ genannt, einen starken Aufschwung. Viele Hersfelder machten nun gerne einen Ausflug nach Kirchheim, liefen über die lange Heide, tranken unter anderem in der Gartenlaube des Gasthauses Eydt Kaffee und fuhren abends mit dem Zug wieder nach Hersfeld zurück. Auch die Hautevolee kam mit der Pferdekutsche oder im Winter mit dem Pferdeschlitten nach Kirchheim. Ludwig Eydt, das „Momentchen“, war ein angesehener Kirchheimer Gastronom, der in Stadt und Land bekannt war.

1932 übernahm dann sein Sohn Otto mit seiner Ehefrau Katharina das Gasthaus. Otto war Metzgermeister und schloss so dem Gasthaus ein Fleischerfachgeschäft an. Da von 1935 bis 1939 die Autobahn bei Kirchheim gebaut wurde, profitierte auch das Gastgewerbe stark – man baute nun die ersten Fremdenzimmer. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Aufschwung jäh beendet. Otto und die beiden ältesten Söhne wurden eingezogen, und Katharina musste den Betrieb in dieser Zeit mit viel Einsatz alleine weiterführen.

Seit den Fünfzigerjahren kamen durch den Autobahnanschluss allmählich Reisende nach Kirchheim, sodass man die Gastwirtschaft vergrößerte und modernisierte: 20 neue Fremdenzimmer richtete man damals ein.

Sohn Hans Heinrich, genannt Henner, absolvierte die schweizerische Fachschule für das Gastgewerbe in Zürich. 1968 übernahm er die elterliche Gastwirtschaft und baute diese mit Frau Wilma schließlich zum Hotel aus. 60 Zimmer mit Dusche und WC, Einbau eines Fahrstuhls sowie diverse Renovierungen im Restaurant und in der Küche gingen einher. Insbesondere übernachteten nun Reisegruppen aus Skandinavien auf ihrer Fahrt in den Süden im Hotel Eydt.

Jüngste Generation

Seit 1998 führt nun der nach seinem Urgroßvater benannte Sohn Ludwig, genannt Lutz – er hatte zunächst in München Betriebswirtschaftslehre studiert – mit seiner Frau Pia das Hotel an der Hauptstraße. Die zuvor angeschlossenen Metzgerei wurde von der Tochter Sabine und ihrem Mann übernommen.

Jeweils die günstige Lage und die Chancen der Zeit nutzend, haben die fünf Generationen der Familie Eydt mit hartem Einsatz ein großes Unternehmen aufgebaut. Seit nunmehr über 150 Jahren blieb das Gaststättengewerbe im Familienbesitz; ob die folgenden Generationen das Erbe noch weiterführen, bleibt aber offen.

Von Brunhilde Miehe

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