Auf dem Eisenberg, dem höchsten Punkt im Landkreis, gibt es keine Gaststätte mehr

Der Gasthof ist geschlossen

Tief verschneit und im Nebel: Der Berggasthof auf dem Eisenberg ist nicht mehr für Besucher geöffnet. Die Anlage besteht aus dem 17 Meter hohen Borgmannturm mit Turmschänke und dem ehemaligen Wandererheim des Knüllgebirgsvereins (links) sowie dem in den 1970er-Jahren vom Landkreis errichteten Hotel- und Gaststättentrakt. Foto: Eisenberg

Willingshain. Auf dem Eisenberg hat der Winter Gnadenfrist. Während die Täler schon wieder grün sind, ist der fast 636 Meter hohe Gipfel in dichten Nebel gehüllt und von einer Schneedecke überzogen – die allerdings nicht dick genug ist, um Wintersportler anzulocken. Menschenleer sind nicht nur Skipisten und Rodelhang, sondern auch der Berggasthof ist es.

Wanderer, die auf dem höchsten Gipfel des Landkreises unterwegs sind, finden nur den Aufgang zum Borgmannturm unverschlossen. Ende Oktober hat der Niederländer Harry van den Nouweland, dem das Anwesen gehört, die letzten Gäste bewirtet. „Wir haben noch alle Buchungen abgearbeitet“, berichtet der Geschäftsmann am Telefon. Im Winter 2010 hatte der Niederländer das Anwesen erworben, welches den Borgmannturm mit Turmschänke, das ehemalige Wandererheim des Knüllgebirgsvereins und den Gaststätten- und Hoteltrakt umfasst. Jetzt sucht van den Nouweland einen Pächter. Dass – abgesehen von schneereichen Wochen oder Feiertagen – zu wenige Gäste auf den Berg kämen, sei einer von vielen Gründen für diese Entscheidung. Unterm Strich sei es nicht praktikabel, den Gasthof aus der Ferne nur mit angestelltem Personal zu betreiben. „Ideal wäre ein Pächterehepaar, das immer selbst vor Ort ist“, meint Nouweland. „Wir haben viel Geld in die Renovierung gesteckt. Ein neuer Pächter könnte sofort anfangen“.

Konzept wird gebraucht

Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch hält es für bedauerlich, dass es auf dem Hausberg der Region keine Gastronomie mehr gibt. „Ein Wirt wird aber nie allein von Zufallsbesuchern leben können. Er braucht ein ordentliches Konzept“, gibt der Rathauschef zu bedenken.

Im Gegensatz zur benachbarten Skipiste liegt der Gasthof zwar nicht auf Neuensteiner Gemarkung, aber auch für Bürgermeister Walter Glänzer ist die Entwicklung des Areals eine Herzensangelegenheit. Insbesondere an den Wochenenden sei der Eisenberg gut von Erholungssuchenden frequentiert, berichtet der Bürgermeister, der dort häufig selbst unterwegs ist. Erste Pachtinteressenten habe er bereits an den Eigentümer weiterverwiesen. Bisher wolle aber niemand die gesamte Anlage pachten. Für heutige Verhältnisse sei der Hotelkomplex sicher eine Nummer zu groß.

Buslinie auf den Eisenberg

Um den Berg touristisch aufzuwerten, soll er ab dem Fahrplanwechsel künftig mit dem Linienbus erreichbar sein. Derzeit schreibt der Landkreis das Linienbündel neu aus, ab Dezember wurden an Wochenenden und Feiertagen schon mehrere Fahrten der Linie 370 Bad Hersfeld-Neuenstein von Raboldshausen bis auf den Gipfel verlängert. Der Gasthof bleibt indes vorerst geschlossen – wachsam beäugt von zwei Gänsen und einer Schar Enten auf dem benachbarten Weiher.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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