Jubiläums-Oldtimer-Treffen an der Kirchheimer Scheune war erstmals kalt und nass

Frieren im Schmuckstück

Ein echter Hingucker war dieser Ford Speedster Baujahr 1931, den Bertold Schmidt während des 25. Oldtimertreffens am Sonntag rund um die Scheune an der Aula in Kirchheim dem interessierten Publikum präsentierte. Fotos:  Löwenberger

Kirchheim. Jetzt ist es bewiesen: Der Sommer 2012 ist nicht wirklich ein Sommer. Starkregen und Sturm mit herbstlichen Temperaturen, das hat es bei einem Oldtimertreffen an der Scheune an der Aula in Kirchheim in einem Vierteljahrhundert noch nie gegeben. Warum Petrus ausgerechnet zum Jubiläumstreffen seinen Pakt mit Bertold Schmidt brach und das Fest mit einer Kaltfront bedachte, bleibt natürlich ungeklärt. Aber, mit des Geschickes – oder in diesem Fall Wetters – Mächten, ist ja bekanntlich kein ew’ger Bund zu flechten.

Als Bertold Schmidt vor 25 Jahren zum ersten Mal zu einem Oldtimertreffen in seine gerade wieder erbaute Scheune nach Kirchheim lud, da hätte man die Veranstaltung wohlwollend als „übersichtlich“ bezeichnen können.

Mittlerweile hat das Waldhessen-Oldtimertreffen rund um die Scheune an der Aula nicht nur beim Clan der Oldtimerfahrer sondern auch im Kreis der Fans alter Karossen einen fett markierten Termin im jährlichen Veranstaltungskalender. 200 Fahrzeuge und mehr tuckern oder fahren meist auf eigenen Achsen nach Kirchheim, die Zahl der Besucher lässt sich nur schätzen.

Gründe für den Erfolg sind neben der zentralen Lage mitten in Deutschland sicherlich auch die perfekte Organisation und das einzigartige Ambiente rund um die Scheune. „Mitten im Dorf“ kann das Fest übrigens nur noch stattfinden, weil der Bauunternehmer Karl Naumann seine Betriebshöfe als Park- und Ausstellungsfläche für die Teilnehmer zur Verfügung stellt. Zudem lebt das Treffen von zahlreichen Sponsoren aus der Autobahngemeinde.

Auch in diesem Jahr war wieder eine große automobile Vielfalt geboten: Von der Isetta-Knutschkugel bis zum viermal so langen Cadillac, vom Ford Rennwagen aus dem Jahr 1931 bis zum feuerroten „Original Jerry Cotton“ Jaguar E-Type.

Al Capones Dienstwagen

Schwerpunkt der Ausstellung war in diesem Jahr die Marke Citroen. Autos aus den 20er und den 30er Jahren waren zu bestaunen. Dazu kamen ein „Traction Avant“, auch bekannt als 11CV, der in den 30er bis 50er Jahren als „Dienstwagen“ von Al Capone und Konsorten als Gangsterlimousine zweifelhafte Berühmtheit erlangte, weil er sich auf Grund seiner sehr guten Straßenlage hervorragend als Fluchtfahrzeug eignete. Natürlich durften diverse 2CV – „deux chevaux“ – nicht fehlen, die Ente, die neben dem Renault 4 als legendär unumkippbare Studentenschaukel so lange gegeigt wurde, bis auch der nachsichtigste TÜV-Prüfer kein Auge mehr zum zudrücken hatte.

Fehlen durften auch nicht die Fahrzeuge der DS Serie, die zwischen 1955 und 1975 besonders durch ihre aerodynamische Form auffielen. Zudem boten die „Déesse“ durch ihre pneumatische Federung und Sitze, die eher an Wohnzimmersessel erinnerten, einen bis dahin nicht gekannten Fahrkomfort.

Ungekrönter Star des Jubiläumstreffens aber war ein zehn Meter langer Schnauzenomnibus – FBW/Tüscher 50 ON DD Großraumwagen (Franz Brozincevic Wetzikon), Baujahr 1949, der aus Lauterbach angereist war, und mit dem die Besucher für einen geringen Obolus eine Rundfahrt unternehmen durften.

Von Bernd Löwenberger

Kommentare