Wochenendporträt: Vanessa Reuber ist bei Tastenschreib-Wettkämpfen erfolgreich

Flink mit zehn Fingern

Rotterterode. „Nach der Eroberung von Konstantinopel setzte Mohamed II. die Expansion seines Landes fort, annektierte Herzegowina und Bosnien, machte die Walachei und die Krim zu Vasallenstaaten und unterwarf schließlich auch Albanien.“

Als Vanessa Reuber den kurzen Übungstext abtippt, fliegen ihre Finger förmlich über die Tastatur. Der konzentrierte Blick des zierlichen Mädchens mit den rotblonden Haaren ist dabei stets auf die Textvorlage gerichtet.

Tastenschreiben ist das Hobby der 15-Jährigen aus dem Kirchheimer Ortsteil Rotterterode. Und das betreibt sie erfolgreich: Bei den Hessenmeisterschaften in Kelsterbach kam sie bei der praxisorientierten Textverarbeitung und der Textbearbeitung am Computer jeweils auf den vierten Platz. Beim 30-Minuten Schnellschreiben erreichte sie mit 7146 Anschlägen und einer Fehlerfreiheit von 99,8 Prozent Rang acht. Das entspricht 238 Anschlägen pro Minute

„Angefangen habe ich vor etwa sieben Jahren“, erzählt die 15-Jährige. Damals war sie auf die Kurse, die der Steno- und Maschinenschreibverein Neukirchen (Knüll) in Oberaula anbietet, aufmerksam geworden. „Tastenschreiben ist etwas, das nicht jeder kann“, betont die 15-Jährige. Seit etwa drei Jahren nimmt sie an Wettbewerben teil, war im Mai erstmals bei den deutschen Meisterschaften. Stadt-, Hessen-, Deutsche- bis hin zu Weltmeisterschaften – wie beim Sport gibt es auch beim Tastenschreiben unterschiedlichen Wettkampfebenen und Disziplinen. „Beim Schnellschreiben tippt man eine Vorlage so weit ab, wie man in 30 Minuten kommt“, erklärt Vanessa Reuber. Neben der Anschlagszahl werde auch die Fehlerfreiheit mit eingerechnet. „Bei 2500 Anschlägen darf man da schon ein paar Fehler reinhauen“, verdeutlicht sie. Anders in der Disziplin Perfektion: Da dürfen innerhalb von zehn Minuten möglichst wenige Tippfehler gemacht werden. Bei der praxisorientierten Textverarbeitung geht es um das Erstellen von Serienbriefen und den Umgang mit den Programmen Word und Excel.

Einmal wöchentlich trainiert Vanessa Reuber eine Stunde im Verein, zusätzlich meist noch zweimal wöchentlich eine halbe Stunde zuhause.

Was künftige Wettkämpfe angeht, gibt sich die Schülerin bescheiden: „Da treten viele gute Leute an, ich stecke meine Ziele nicht so hoch“. Viel mehr schätzt sie den praktischen Nutzen ihres Hobbys: „Bei Referaten oder Praktikumsberichten bin ich deutlich schneller fertig als meine Mitschüler“, erklärt die 15-Jährige grinsend. Und auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist ihr Hobby kein Nachteil: Bürokauffrau oder Verwaltungsfachangestellte möchte Vanessa Reuber werden. Den Umgang mit der Computertastatur beherrscht sie schon.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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