Finger weg vom Sahnehäubchen der Region

Bernd Löwenberger

Es ist noch keine zehn Jahre her, da wurden in den Kommunen in aller Eile Flächennutzungspläne erstellt, in denen spezielle Gebiete für den Bau von Windkraftanlagen ausgewiesen wurden, weil man nur so den großen Rest der eigenen Gemarkung vor dem Wildwuchs weiterer Windmühlen schützen konnte.

Meist waren diese ausgewiesenen Gebiete windtechnisch kaum für die Nutzung der Windenergie geeignet. Niemand konnte damals ahnen, dass die Anlagenbauer ihre Türme einfach 100 Meter höher machten, statt 15 Meter kleinen Flügelchen 50 Meter lange Monsterschwingen anschraubten, und so aus den ausgewiesenen windarmen Feldern lukrative Standorte kreierten. Die beiden Windkraftanlagen im Wälsebachtal zwischen Kirchheim und Reckerode sind exakt nach diesem Schema entstanden.

Heute, so scheint es, reißen sich die Kommunen um die Ansiedlung der hochmodernen Windräder. Beteiligung heißt offenbar das Zauberwort, das den Sinneswandel bewirkt hat. Jeder, ob Kommune oder Privatmann, hofft, sich von dem großen Kuchen Windenergie ein Stückchen abschneiden zu können, oder – andersherum – fürchtet, die Entwicklung könne an ihm vorbei gehen.

Man mag über die mehrfachen Kehrtwendungen und den überhasteten Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie durchaus konträrer Meinung sein, die flächendeckende Verspargelung unserer Landschaft mit immer mehr Windkraftanlagen ist sicherlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Nicht nur, dass Umweltschützer – teilweise zu Recht, teilweise übertrieben – Sturm laufen gegen die Anlagen, es wird allmählich unerträglich, dass, egal wohin wir unseren Blick auch wenden, wir auf rotierende Rotoren blicken. Dass von dem Windradboom nur profitieren kann, wer eh schon reichlich hat, und bei den Anderen die Bude bald schon kalt und dunkel bleibt sei, nur am Rande hier erwähnt, denn das ist eigentlich ein anderes Thema.

Also, liebe Parlamentarier aus Kirchheim, Neuenstein und Oberaula, regenerative Energien hin, neue Einnahmequellen her, bitte lasst die Finger weg vom Eisenberg, dem „Sahnehäubchen“ der Region.

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