Bürgermeisterwahl in Breitenbach/H.: Ernst Liebich tritt als Parteiloser an

Die Finanzen ordnen

Ernst Liebich tritt als Parteiloser bei der Bürgermeisterwahl am 16. März an, seine Frau Christine unterstützt ihn. Unser Bild entstand auf der Terrasse ihres Wohnhauses mit Blick auf die Gibgeskuppe. Foto: Eisenberg

Breitenbach/H. Der Zuspruch vieler Breitenbacher habe ihn zu seiner Kandidatur als Bürgermeister ermutigt, betont Ernst Liebich. Schon bei der vergangenen Wahl sei er von Bewohnern seiner Heimatgemeinde dazu aufgefordert worden, sich doch um den Chefsessel im Rathaus zu bewerben.

Damals pflegte die Familie seinen demenzkranken Vater, an eine Kandidatur sei angesichts dieser Situation und der beruflichen Belastung seinerzeit aber nicht zu denken gewesen. Jetzt, wo auch die erwachsenen Kinder fest im Berufsleben stehen, biete sich die Möglichkeit, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, erklärt Liebich. Der 58-Jährige bezeichnet sich selbst als Ur-Breitenbacher. Seine Heimatgemeinde will er vor allem mit seinem Wissen als Finanzfachmann voranbringen.

Ernst Liebich arbeitet als Leiter der Innenrevision bei der VR-Bank Bad Hersfeld-Rotenburg. Bilanzen, Rechnungswesen und Buchführung seien damit sein Spezialgebiet. Und in genau diesem Bereich hat Liebich in der Herzberg-Gemeinde große Defizite ausgemacht. Die Haushaltslage bezeichnet der gelernte Bankkaufmann als kritisch und instabil.

Kosten-Leistungs-Rechnung

Neueste wirtschaftliche und kaufmännische Anforderungen würden nicht umgesetzt. Nach Ansicht des 58-Jährigen muss dringend eine Kosten-Leistungs-Rechnung her, jeder einzelne Posten genau analysiert werden, um unnötige Kosten zu identifizieren.

Um diese Entwicklungen anzustoßen, sieht Liebich den Arbeitsplatz eines Verwaltungschefs vor allem am Schreibtisch. „Das heißt nicht, dass ich es vernachlässigen werde, die Gemeinde zu repräsentieren. Ich muss aber nicht bei jedem Geburtstag längere Präsenz zeigen“, verdeutlicht der parteilose Kandidat.

Nichts getan habe sich in den vergangenen Jahren auch bei der Ansiedlung von Betrieben. Dabei sei das in vielerlei Hinsicht, etwa für die Gewebesteuer und die Einwohnerzahl, wichtig. Nicht alleine, sondern mit Hilfe von Fachleuten will Liebich dieses Thema angehen. Zudem setzt er auf Synergieeffekte durch die interkommunale Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. Denkbar sei eine Kooperation etwa in den Bereichen Bauhof oder Verwaltung. „Ein Fachmann, der für alle die Bilanzen erstellt, könnte Geld für externe Aufträge sparen“, meint der 58-jährige.

„Außer, dass mal eine Ecke gepflastert worden ist, wo Löcher waren“, habe auch im Naherholungsgebiet am Silbersee in der Vergangenheit Stillstand geherrscht. Es solle aufgewertet werden, um den heutigen Ansprüchen der Breitenbacher und ihrer Gäste zu genügen. Dabei kann sich Liebich auch vorstellen, Investoren ins Boot zu holen.

Nicht grundsätzlich gegen Windkraft, aber klar gegen Windräder auf der Gigbeskuppe und im angrenzenden Schlitzer Wald positioniert sich der parteilose Kandidat. Ein wichtiges, bisher unberührtes Naherholungsgebiet werde zerstört. Bei einer Bürgerversammlung hätten sich die Breitenbacher klar gegen das Projekt ausgesprochen.

Die Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel und eine Kostenanalyse bei Wasser- und Abwassergebühren gehören ebenfalls zu den Themen des 58-Jährigen. Dass er als parteiloser Bürgermeister im Parlament nach Mehrheiten suchen muss, scheut ihn nicht. Mit sachlichen Vorschlägen wolle er überzeugen. In der Gemeindepolitik war Liebich bisher nicht aktiv, dafür aber im Sport und der Dreschgenossenschaft.

Vor der Wahl habe er nicht von Plakaten lächeln oder Kugelschreiber verteilen wollen, sondern vielmehr auf intensive Gespräche mit den Einwohnern der Herzberg-Gemeinde gesetzt. Bürgernähe, Information und Kommunikation seien wichtig. Die Aussage: „Wir Bürger sind sowieso nicht wichtig“, solle auf ihn als Bürgermeister nicht zutreffen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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