Friedensfest im Staub: Hippies feiern am Fuße der Burg Herzberg bei Breitenbach

Festival wird erwachsen

Sonniges Fest: Am Fuße der Burg Herzberg feiern an an diesem Wochenende wieder Hippies und Blumenkinder aus ganz Europa. Fotos: Eisenberg

Breitenbach. Es gibt etwas, das die Hippies auf dem Burg-Herzberg-Festival in diesem Jahr noch viel unmittelbarer verbindet als ihre Lebenseinstellung ihr Hang zum Außergewöhnlichen oder ihre Liebe zur Musik.

Es ist der rote Staub, den Autoreifen und nackte Füße aufwirbeln, der sich schon an den ersten Festivaltagen wie ein Schleier über Zeltplanen, Motorhauben, bunte Leinentücher und Batikhemden legt.

Die Sonne brennt heiß auf die bunte Zeltstadt am Fuße des Herzbergs, die hier jedes Jahr aufs Neue entsteht. Ein laues Lüftchen sorgt für ein wenig Abkühlung. Das satte Grün des Grases hat sich auf den Wegen schon längst in mattes Braun verwandelt, welches es dem Wind leicht macht, die rote Erde in die Luft zu tragen. Immerhin: Im Gegensatz zum Vorjahr hängt sie nicht in Form von klebrigem Matsch an Kleidung und Gummistiefeln.

Die Plätze unter den bunten Sonnenschirmen und Zeltplanen sind in der Mittagssonne begehrt, viele flüchten zu dieser Zeit in den Schatten.

Dennoch schlendern über die Festivalwiese, wo sich Stände mit veganen oder indischen Spezialitäten und Hausmacher-Bio-Bratwurst in ungeahnter Eintracht aneinanderreihen, schon zahlreiche Menschen.

Familienfreundlich: Für die Kinder wurde unter anderem diese große Schaukel aufgebaut. Gut 40 Helfer kümmern sich im Kinderland um die jüngsten Besucher.

Das wahre Hippieleben jedoch findet zu dieser Zeit in Freak City, der Zeltstadt am Hang oberhalb statt, wo klapprige Campingbusse ebenso einen Platz haben wie das moderne von der Mercedes-Limousine gezogene Wohnwagengespann. Hier verkaufen bärtige Händler Powerbällchen oder Fruchtweine, schwingen fröhliche Kinder auf einer Holzschaukel, balanciert ein Mitvierziger auf einem Seil und neben dem Massagezelt klopft ein Trommler seine Rhythmen.

Auf der neuen Bühne, der Mental-Stage interpretiert ein Sänger und Gitarrenspieler bekannte Songs auf seine ganz eigene Weise, davor jongliert ein Pärchen mit bunten Bällen; viele hören zu und macnhe lassen sich trotz der Wärme zu einigen Tanzschritten hinreißen.

„Bisher läuft alles wie am Schnürchen“, sagt Henning Küpper im mobilen Pressebüro und fügt hinzu; „So diszipliniert wie die Ankunft abgelaufen ist, könnte man fast schon sagen, das Festival wird spießig. Oder sagen wir eher das Festival wird erwachsen“.

Gelassenheit bewahrt

„Schön wäre es, wenn von Anfang an regelmäßig Wasser dagewesen wäre“, sagt eine Frau im Bikini, die eigentlich nur ein Herzberg-Poster kaufen will. Dabei klingt sie weder ärgerlich, noch vorwurfsvoll. „Naja, ab jetzt klappt es ja“, antwortet Küpper – zumindest die Gelassenheit hat sich das Festival beim Erwachsenwerden offenbar bewahrt.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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