Interview mit Organisator Gunther Lorz über das Burg-Herzberg-Festival

„Festival für die Familie“

Flower-Power: Gunther Lorz aus Fulda organisiert seit 2005 das Burg-Herzberg-Festival in Breitenbach. Archivfoto: Rissmann

Breitenbach/H. Gut 12 000 Besucher treffen sich am Wochenende am Fuße der Burg Herzberg, um friedlich miteinander zu feiern. Auch in diesem Jahr erwartet Organisator Gunther Lorz wieder Gäste aus ganz Europa. Wir sprachen mit dem 45-Jährigen über die Vorbereitungen und die besondere Atmosphäre des Festivals.

Das Burg Herzberg Festival ist ein Jahr älter als Woodstock – und im Gegensatz dazu keine Eintagsfliege. Was ist das Erfolgsrezept?

Gunther Lorz: Wenn wir das so genau wüssten (lacht). Es haben sich immer genügend Leute gefunden, die diese Atmosphäre schätzen. Das Herzberg-Festival setzt sich ja schon von anderen Festivals ab. Ein entscheidender Punkt ist, dass Kinder bis 14 Jahre bei uns freien Eintritt haben und sich 40 Mitarbeiter um sie kümmern. Es gibt nicht viele Open Airs, auf denen Kinder gerne gesehen sind.

Die Hippies der ersten Stunde sind schon ziemlich ergraut. Haben Sie keine Angst, dass das Publikum ausgeht?

Lorz: Es kommen ja immer wieder Junge nach. Wir haben Gäste, die schon vor 45 Jahren beim ersten Festival dabei waren, aber auch ganz junge Leute.

Was ist noch von der ursprünglichen Idee geblieben?

Lorz: Es war ja ursprünglich ein Avantgarde-Festival von den Petards. Die haben wohl nicht im Traum daran gedacht, dass 45 Jahre später immer noch viele Leute zu ihrem Festival kommen. Interessant ist auch, dass der Hippie von damals kein Umweltbewusstsein hatte. Wenn man sich alte Fotos anschaut, sieht man, dass der Müll einfach auf das Gelände geworfen wurde. Das ist heute ganz anders.

Kritiker bezeichnen Ticketpreise von 99 Euro als wenig familienfreundlich ...

Lorz: Man kann nirgendwo für 100 Euro pro Person eine Woche lang zelten. Das ist schon ein Spottpreis. Die Preissteigerung ist nicht unsere Idee, sondern ein Problem mit der Gema. Auch die Spritpreise sind nicht mehr dieselben und meine Mitarbeiter arbeiten auch nicht mehr für das Geld von 2008 oder 2009.

Früher berichteten die Besucher, dass man Gras an jeder Ecke kaufen könne. Wie stehen Sie zum Thema Drogen?

Lorz: Das ist eine entscheidende Änderung gegenüber den Althippies, die unbedarfter Drogen gegenüber waren. Es gibt bei uns auch keinen Schnaps zu kaufen. Wir sind ein Festival für die Familie. Jede Form von harten Drogen wird möglichst schon im Vorfeld aussortiert. Die Polizei ist da sehr geschickt. Bevor das Festival losgeht, werden Drogenverkäufer schon wieder vom Gelände entfernt.

Ist es nicht scheinheilig, eine Woche heile Welt zu spielen, während es anderswo auf dem Globus alles andere als friedlich zugeht?

Lorz: Wenn sich so viele Leute eine Woche lang treffen und es gibt über Jahre nicht eine Schlägerei, dann ist das schon eine schöne Sache. Trotz der Verschiedenheit der Besucher geht man sich nicht an die Gurgel. Das ist schon ein Wert an sich. Darauf bezieht sich auch das Motto „Art of Peace“.

Im Line-Up fehlen die richtig bekannten Namen – und damit auch die Zugpferde?

Lorz: Steve Hackett ist mit Sicherheit ein Zugpferd. Das Programm ist sehr bluesrocklastig, da haben wir mit Gov’t Mule, Moe, Henrik Freischlader und den Spin Doctors ein fettes Pfund. Bei Moe ist es der einzige Auftritt in Europa, da kommen die Leute aus der Schweiz, England und Skandinavien. Wir haben ein großes Einzugsfeld und können daher Schwerpunkte setzten.

Was ist ihr persönlicher Höhepunkt ?

Lorz: Moe gehört mit Sicherheit dazu, die Band wird in nächsten Jahren groß rauskommen. Die Spin Doctors, die viele noch aus den 90ern kennen, haben einen totalen Changeover in ihrer Musik gemacht. Auf der Freakstage spielt Kadaver, das ist auch eine Band, von der man noch viel hören wird.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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