Forensischer Psychiater: Spielplatz nicht das ideale Wohnumfeld für den 46-Jährigen

Fachmann rät zum Umzug

Ein Platz ohne Kinder: In unmittelbarer Nähe des Spielplatzes in Wahlshausen lebt ein Sexualstraftäter mit ungünstiger Prognose. Foto: Grede

Wahlshausen/Haina. Aus Sicht von Roland Freese, dem Ärztlichen Leiter der Ambulanz, müssen die Menschen in Wahlshausen keine Angst haben. Sie sollten allerdings ihre Kinder sensibel informieren, dass in ihrem Dorf eine Person wohnt, die nicht immer einzuschätzen sei. Der forensische Psychiater hält das übliche Maß an Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, wie man es fremden Menschen gegenüber üblicherweise aufbringt, für ausreichend und angemessen.

Und Freese weiß, wovon er spricht. Von den mehr als 1200 psychisch kranken Rechtsbrechern, die die FPA in den vergangenen 25 Jahren betreut hat, wurden nur wenige rückfällig.

In die Wohnortsuche des Mannes sei die FPA nicht eingebunden gewesen, sagt Freese. Der Mann habe bereits in Wahlshausen gewohnt, als seine ambulante Behandlung begann. Eine Unterbringung in einem Heim sei nicht möglich gewesen, da dies zum einen nicht der Wunsch des Mannes war und zum anderen keine derartige Einrichtung den Mann aufnehmen wollte.

Die Wohnung in der Nähe des Spielplatzes und Jugendraumes sei kein „ideales Wohnumfeld“ für den Mann, räumt Freese ein. „Seit er dort wohnt, versuchen wir ihn zum Umzug zu bewegen.“

Ihre Patienten zu betreuen und die Öffentlichkeit zu schützen – das nennt die Forensisch-psychiatrische Ambulanz als ihren Auftrag. Auch der 46-jährige Sexualstraftäter in Wahlshausen bekomme wöchentlich Besuch von einem Sozialpädagogen, der Teil eines Teams ist, das neben ihm aus Ärzten, Psychologen und Krankenpflegern besteht. Der schaut nach Angaben von Freese, ob sich der Mann an die ihm auferlegten Regeln hält. Überwacht wird dabei zum Beispiel die Einnahme des triebdämpfenden Medikaments. Zwar darf der Mann grundsätzlich keinen Alkohol trinken, dennoch sieht Freese im möglichen Zusammenwirken keine Gefahr: „Der Mann würde müde, aber aufgehoben wäre die Wirkung des Medikaments damit nicht.“

Eine grundsätzliche Prognose über das Verhalten eines Mannes, der 20 Jahre in geschlossenen Einrichtungen verbracht hat, können auch Experten nicht geben. Allerdings könne eine Entwicklung, zum Beispiel das Entstehen einer Krise, auf ungefähr 14 Tage vorausgesagt werden, erklärt Freese. Zwar seien solche Prognosen immer mit Unsicherheiten verbunden, „in diesem Fall aber gehen wir auf Nummer sicher, sehen den Probanden sogar häufiger als üblich und wechseln uns dabei noch engmaschig mit der Bewährungshilfe ab, um möglichst viel Sicherheit zu bieten“. Artikel unten

Von Sylke Grede

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