Fachmann für den Bauhof

Gemeinde Breitenbach bildet erstmals einen Tief- und Straßenbauer selbst aus

Tiefbau im Dienst der Herzberggemeinde: Daniel Neusel macht beim Breitenbacher Gemeindebauhof eine Ausbildung zum Tief- beziehungsweise Straßenbauer. Ausbilder und Bauhofleiter Wilfried Bornschier schaut ihm bei der Arbeit über die Schulter. Foto: Eisenberg

Breitenbach/H. Ein Kanalschacht war das erste größere Projekt, das Daniel Neusel kürzlich in Eigenregie umgesetzt hat.

Für einen angehenden Tiefbaufacharbeiter im zweiten Lehrjahr an sich nichts Ungewöhnliches. Allerdings ist der Ausbildungsbetrieb des 28-Jährigen keine Baufirma, sondern die Gemeinde Breitenbach. Bei der Ausrichtung der Bauhofarbeit geht die Kommune schon seit längerem neue Wege. Neben Gras-, Heckenschnitt und Winterdienst erledigen die Mitarbeiter auch beim Kanal- und Straßenbau fast alle Arbeiten selbst. Nur um die Straßendecke aufzubringen, rückt die Asphaltkolonne einer Baufirma an. Wegen des Fachkräftemangels seien geeignete Bewerber für den Bauhof auf dem Arbeitsmarkt kaum noch zu bekommen, erklärt Hauptamtsleiter Holger Noll. Deshalb habe der Gemeindevorstand entschieden, selbst auszubilden. Mit Daniel Neusel fand sich ein Bewerber aus der eigenen Gemeinde. Bevor er im September 2014 seine Lehre begonnen hat, war er schon ein halbes Jahr für den Bauhof tätig. Nach der Abschlussprüfung möchte Neusel noch ein Lehrjahr dranhängen, um auch den Abschluss als Straßenbauer zu erwerben.

Kooperation mit IHK

Als Ausbildungsbetrieb arbeitet die Gemeinde mit der Industrie- und Handelskammer sowie der Lehrbaustelle in Bebra zusammen. Dort und in der Berufsschule hat Daniel Neusel den überwiegenden Teil des ersten Lehrjahres verbracht, um die Grundlagen des Bauhandwerks zu erlernen. Die unter Idealbedingungen in der Lehrhalle erworbenen Fähigkeiten setzt er jetzt unter realen Bedingungen – sprich im Straßen- und Leitungsnetz der Herzberggemeinde mit manchmal schwer zugänglichen Ecken – um.

Dass er Jahrgangsbester ist, darum möchte der Auszubildende kein großes Aufheben machen. „Ich hatte die schulischen Voraussetzungen“, gibt sich der 28-Jährige bescheiden. Nach dem Hauptschulabschluss in Niederaula hat Neusel in Bad Hersfeld den Realschulabschluss nachgeholt und Fachabitur gemacht. Danach versuchte er sich an einem Elektrotechnik-Studium. „Ich habe gemerkt, dass mir das Handwerkliche liegt“, sagt er rückblickend. An der Arbeit für den Bauhof schätze er das Aufgabenspektrum, das vielseitiger sei, als in klassischen Baufirmen. Und die konstruktive Kritik der Kollegen, die seine Fähigkeiten voranbringe.

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, ergänzt Bauhofleiter Wilfrid Bornschier, der zufrieden mit seinem Auszubildenden ist.

Nach der Ausbildung möchte Daniel Neusel bei der Herzberggemeinde bleiben – auch wenn er in der freien Wirtschaft wohl mehr verdienen würde. „Dafür habe ich einen Arbeitsplatz vor der Haustür und muss nicht hunderte Kilometer zu den Baustellen pendeln“, verdeutlicht er.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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