Knüllgebirgsverein: Borgmann-Turm auf dem Eisenberg wird 100 Jahre alt

Domizil für Wanderer

Historische Karte: Nachdem 1894 ein hölzerner Turm auf dem Eisenberg errichtet worden war, entstand 1913 an gleicher Stelle der steinerne Borgmann-Turm. Fotos:  3 Privat/nh/1 Rose

Kirchheim. 1884 gründete der Königliche Forstmeister Hugo Borgmann den Knüllclub. Ziele waren die touristische und die wirtschaftliche Förderung des Knüllgebietes. Borgmann regte unter anderem den Bau von Aussichtstürmen und Schutzhütten an. 1894 war ein 18 Meter hoher Holzturm auf dem Eisenberg fertigt.

Der Eisenbergturm wurde 1913 durch einen steinernen Neubau ersetzt und zu Ehren des Gründers des Knüllclubs „Borgmannturm“ genannt. Am 17. August feiert der Knüllgebirgsverein den 100. Geburtstag des Aussichtsturmes.

Völkerwanderung

Vereins-Archivar Heinz Herget aus Oberaula hat die Geschichte des Turmes, der zur Gemeinde Kirchheim (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) gehört, skizziert. Er weiß zu berichten, dass zur Einweihung des Turmes eine wahre Völkerwanderung – geschätzte 5000 Heimatfreunde – auf den Eisenberg strömten. Der Holzturm aus dem Jahr 1894 war wegen der Witterung nämlich schon nach einem Jahrzehnt baufällig geworden.

Bitte um Spenden

Um neu bauen zu können, wurden die Wanderfreunde 1912 um Spenden gebeten. Nach vier Jahren Bauzeit konnte das schmucke Werk zugänglich gemacht werden.

Die Hersfelder Zeitung widmete diesem Ereignis die ganze Titelseite. Der Bericht endete mit den Worten: „Die Eisenbahnzüge aber konnten kaum die Massen der Ausflügler fassen.“

Harry Heußner, Vorsitzender des Vereins von 1910 bis 1950, regte an, noch ein Wanderheim an den Turm anzubauen. Wetter und Sturm haben dem Turm in all den Jahrzehnten nichts anhaben können. In den 1970er-Jahren wurde ein Stockwerk aus Fertigbeton aufgesetzt – damit war die Sicht über die Baumwipfel wieder möglich.

Doch die Instandhaltung der Anlage lastete finanziell schwer auf dem Verein. „Irgendwann stand der Verein kurz vor der Insolvenz“, erklärt der Vorsitzende Gerhard Hosemann.

Der Verein entschied sich, das Areal samt Turm zu verkaufen. Heute arbeite man vertrauensvoll mit dem niederländischen Betreiber, der auf dem Eisenberg wieder Gastronomie anbietet, zusammen.

Dem Knüllgebirgsverein gehöre auf dem Eisenberg nach wie vor die so genannte Otto-Krebs-Wiese, benannt nach einem langjährigen Vorsitzenden. „Dort finden Veranstaltungen statt. Wir vermieten sie auch, etwa für Freizeitcamps“, erläutert Hosemann.

Info-Zentrum inklusive

Hauptanlaufpunkt sei heute das Knüllköpfchen mit seinem Info-Zentrum. Aktuell ist der Knüllgebirgsverein für 1800 Kilometer Wanderwege verantwortlich: Die Mitglieder hegen und pflegen die Wege und sorgen für Wandermarkierungen und die Beschilderung.

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Von Sandra Rose

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