Breitenbacher Theatertreff wird zum heiteren Sanatorium

Psychose in Blau: Wer ist denn nun verrückt?

Würdiger Abschied: Zur Beerdigung von Kanarienvogel Caruso hat das Klarteckst-Ensemble (von links) Astrid Orth, Brunhilde Höhler, Ute Pistor, Petra Hühn, Sarah Hubl, Margret Eiler und Stefan Pistor einen Zuschauer als Pfarrer auf die Bühne geholt. Fotos: Eisenberg

Breitenbach/H. Arzt oder selbst hochgradig therapiebedürftig? Prinzessin oder Geheimagentin? Und ist „verrückt“ eigentlich der Normalzustand eines Künstlers?

In der aktuellen Produktion „Psychose in Blau“ der Breitenbacher Theatergruppe „Klarteckst“ verwandelt sich die Hermannsbühne in die Nervenheilanstalt Seelenheil. Und das Publikum ist mittendrin. Der Dreiakter feierte am Samstagabend Premiere im Theatertreff der Herzberggemeinde.

Die Psychiaterin Dr. Dorothea Zadeck möchte eigentlich das von ihr entwickelte Medikament „Carusoprophen-Exatyglonat 72“ (schon die unfallfreie Aussprache ist eine beachtliche Leistung der Laienspieler) vorstellen, das die Therapie psychiotischer Störungen revolutionieren soll. Doch dann stirbt plötzlich Kanarienvogel Caruso, wenig später sind auch zwei Ärzte tot. Bei der Suche nach dem Mörder tauchen auch noch zwei verfeindete Geheimagentinnen im Seelenheil auf. Oder sind es doch nur Wahnvorstellungen der Insassen? Denn über dem gesamten Geschehen schwebt eine Frage: Wer ist hier eigentlich verrückt?

Starkes Ensemble

„Psychose im Blau“ ist kein derber Schwank, bei dem sich ein Schenkelklopfer an den nächsten reiht. Aber trotz des Themas Psychiatrie auch keine schwere Kost. Mehr als die Handlung macht ohnehin das durchweg starke Laienensemble das Stück sehenswert: Ute Pistor wird als taffe Karrierefrau Dr. Zadeck vom Tod ihres Kanarienvogels völlig aus der Bahn geworfen. Stefan Pistor als medikamentenabhängiger Neurologe Dr. Brandstätter intoniert zum Tod seiner Chefin und deren Haustieres schonmal „Sau tot“ auf dem Jagdhorn.

Petra Hühn gibt die resolute Krankenschwester Angela Katz, Astrid Orth die selbstverliebte Sensationsreporterin Sybille Buschhaus, Brunhilde Höhler wagt als russische Esoterikerin den Blick ins Jenseits, Sarah Hubl glänzt als kleptomanisch-schizophrene Prinzessin, Margret Eiler als Operndiva mit Hygiene-Tick und Falk Stolle als herrlich-entrückter Wortspielakrobat Zeno Dornstorf. Vor den liebenswerten Macken der Protagonisten sind auch die Zuschauer nicht sicher. Die müssen sich erheben, weil sich die Insassen von den Sitzmöbeln bedroht fühlen, in der ersten Reihe werden Mundschutze ausgeteilt und ein Zuschauer findet sich unverhofft als Pfarrer mit Sprechrolle auf der Bühne wieder.

Auf eine Schlusspointe mit Knalleffekt wartet der Zuschauer vergeblich, am Ende verabschiedet sich das Ensemble „Du bist ein Psychosomat“ singend. „Ich wusste nicht, wie das Stück ankommt“, sagt der noch immer sichtlich angespannte Regisseur Carsten Orth, bevor der Vorhang fällt. Den Gästen der Premierenvorstellung haben die Klarteckstler jedenfalls unzählige Lacher und einen freundlichen Schlussapplaus entlockt.

Weitere Termine: 7., 8., 14 und 21. November, 5., 6., und 20. Dezember. Infos zu Zeiten, Preisen und Kartenverfügbarkeit unter www.klarteckst.de

Premiere "Psychose in Blau" der Theatergruppe "Klarteckst"

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